Berichte Regionalkreis Franken

Unsere Regionalkreistreffen

1993 - So fing alles an

 

Im Jahr 1993 gründete Helmut Steffen in Bamberg den DGC-Arbeitskreis unter dem Namen "Franken-Stammtisch". In seinem ersten offizellen Bericht in den "Mitteilungen" schrieb er fünf Jahre später:

Seit dem Frühjahr 1993 treffen sich die Teilnehmer vier Mal im Jahr in Bamberg im Hotel "Brudermühle", immer am 1. Mittwoch im 3. Monat jeden Quartals. Waren es am Anfang ca. 12 Damen und Herren von möglichen 25, so sind es jetzt 25 Mitglieder, die aktiv teilnehmen. In den fünf Jahren des Bestehens konnten 15 Mitglieder gewonnen werden. Zu den Abenden kommt auch immer eine Anzahl Damen, die sich für das Hobby ihres Mannes interessieren. Gäste sind stets willkommen. Die Uhrenfreunde kommen aus Würzburg, Schweinfurt, Ebern, Bamberg, Bayreuth, Pegnitz, Hof, Erlangen, Forchheim, Nürnberg und Fürth.

Das Interessensgebiet ist breit gestreut, von Großuhren, Kleinuhren,Werkzeug und Büchern bis zum Reparieren und Restaurieren, Emaillieren und der Anfertigung von Gehäusen. Zu all diesen Themen wurden auch schon Vorträge gehalten. teils von Teilnehmern oder von auswärtigen Referenten.

Gemeinsam besucht wurden Röttingen, die Stadt der Sonnenuhren, die Sternwarte Bamberg, das Mainfränkische Museum in Würzburg, das Turmuhrenmuseum in Bayreuth-Mistelbach und die Uhrmacherschule in Würzburg. Aber nicht nur der Franken-Stammtisch ist interessant für Uhrenfreunde, auch Bamberg mit seinen berühmten Kirchen, seinen Museen, der Residenz, der Altstadt und den gastlichen Wirtshäusern lohnt immer einen Besuch.

Kommen Sie zu uns, wenn Sie sich für Uhren interessieren, vertiefen Sie Ihre Kenntnisse und lernen Sie in geselliger Runde Neues dazu.

 

2001 - Der Regionalkreis unter neuer Leitung

 

Am 6. September 2000 schreibt Helmut Steffen in  den "Mitteilungen":

"Wir hatten die Freude, 26 Uhrenfreunde, einschließlich Damen und Gästen, begrüßen zu können. Unser besonderer Gruß galt dem Referenten des Abends, Herrn Karel Kolar, Leiter des Frankfurter Regionalkreises, der dankenswerterweise kurzfristig für den krankheitshalber ausgefallenen Dr. Lympius eingesprungen war. Sein Vortrgsthema: Die Prager Rathausuhr.

Vorweg gab der Unterzeichner (Helmut Steffen) nochmals seinen Entschluss bekannt, mit Erreichen des 80. Lebensjahres die Leitung unseres Regionalkreises abzugeben. Als Nachfolger ergab sich nach verschiedenen Gesprächen unser Uhrenfreund Hans-Peter Beuerle, dessen Wahl von den anwesenden Mitgliedern sofort akzeptiert wurde. Er wird sein Amt Anfang nächsten Jahres übernehmen."

 

Der Regionalkreis Franken heute

 

Im Regionalkreis Franken sind zur Zeit ca. 120 Mitglieder registriert. Wir treffen uns fünf bis sechs Mal jährlich in Memmelsdorf bei Bamberg im Brauereigasthof Höhn, Hauptstraße 11, 96117 Memmelsdorf. Einen Anfahrtsplan finden Sie unter "Kontakt".

Beginn des offiziellen Teils ist 19.30 Uhr im Saal im Untergeschoss, der Platz für ca. 50 Personen bietet. Vor Beginn und nach dem Vortrag ist bei einem kleinen internen Flohmarkt Gelegenheit zu Kauf, Verkauf und Tausch von mitgebrachten Stücken. Gäste sind immer willkommen.

Der Gasthof Höhn bietet gute fränkische Küche und außerdem ein ungefiltertes hefetrübes Bier aus der hauseigenen Brauerei. Deshalb treffen sich die meisten Mitglieder dort schon vorher zum gemeinsamen Abendessen.

Informationen zum Gasthof finden Sie im Internet unter gasthof-hoehn.de

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Traueranzeige helmut steffen

Erinnerungen an Helmut Steffen


Nicht völlig unerwartet erreichte uns der Anruf mit der Nachricht vom Tode Helmut Steffens.
Er konnte krankheitshalber schon seit einiger Zeit nicht mehr an unseren Regionalkreistreffen teilnehmen, war aber immer an den Aktivitäten in der DGC interessiert und freute sich über jeden Kontakt, jeden Anruf. Leider war die Kommunikation nach dem Tode seiner geliebten Frau Trudy im letzten Jahr nur noch eingeschränkt möglich. Die Nadel für 25-jährige Mitgliedschaft in der DGC konnten wir ihm zu unserem Bedauern nur mit der Post und nicht mehr persönlich übergeben, nach Aussage seiner Sekretärin hat er sich darüber aber sehr gefreut.
Helmut Steffen hat den „Frankenstammtisch“ im Jahr 1993 in Bamberg ins Leben gerufen und hat den Kreis bis zum Jahr 2000 mit großem Erfolg geleitet. Im Jahr 2006 erhielt er für dieses Engagement die Silberne Nadel der DGC überreicht.
In seiner ruhigen Art hat Helmut Steffen in der DGC oft ausgleichend gewirkt und dabei Anregung zu Veränderung und Neuerung eingebracht.
Sein Wissen über Taschenuhren und spezielle Hemmungen war sehr groß. Er hat es im privaten Gespräch und in einigen Referaten im Regionalkreis gerne weitergegeben und zur Freude aller Anwesenden brachte er zu den Treffen immer wieder einmal eines seiner „Schätzchen“ mit, das in der Runde bestaunt werden konnte.
Wir werden uns an Helmut Steffen immer als einen liebenswürdigen und hochgeschätzten Freund in großer Dankbarkeit erinnern.

Hans-Peter Beuerle, Susanne Dahm

 

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Udo Krausch übergibt im Jahr 2006 das Silberne Ehrenzeichen an Helmut Steffen
 

Kontakt

Achtung! Neues Lokal!

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Anfahrt zum Treffpunkt des Regionalkreises Franken

 

Der offizielle Teil des Abends beginnt um 19.30 Uhr. Unser Lokal hat sich geändert, ab 6. Juli 2012 ist es der Brauereigasthof Höhn, Hauptstr. 11, 96117 Memmelsdorf, Tel. (0951) 40 61 40, Fax (0951) 40 61 444, 

e-mail: info[at]gasthof-hoehn.de.

6. Fränkische Uhrenbörse: Weil sich die Veranstaltung inzwischen zu einem gesellschaftlichen Ereignis über den Frankenkreis hinaus gemausert hat werden wir auch 2012 wieder eine Börse veranstalten. Der Termin 04.11.2012 ist schon fest eingeplant.

 

 

 

Herzliche Grüße

Ihr Hans-Peter Beuerle

 

Sie erreichen mich unter der E-Mail-Adresse  hp.beuerle[at]t-online.de

 

 

 

Regionalkreisreise an den Bodensee

Reise der Regionalkreise Franken und München an den Bodensee

vom 16. bis 20. September 2009

Von unserem „fränkischen Türken“, Herrn Sinan Aidan, sicher chauffiert, kommen wir nach gemütlicher Fahrt am Nachmittag des 16.9. in Güttingen bei Radolfzell am Bodensee an, wo wir im Gasthof „Adler“ in schöner ruhiger Lage und, wie sich herausstellt, gut beköstigt bestens untergebracht sind. Erstes Glanzlicht unserer Reise ist dann gleich ein Besuch bei Familie Dres. Zech ganz in der Nähe. Wir werden mit herzlicher Gastlichkeit und feinstem Bodenseewein empfangen und sind alle begeistert von ihrer Sammlung herrlicher alter Uhren und Antiquitäten. Was für ein liebevoll eingerichtetes wunderschönes Heim!

Am 17.9. frühmorgens geht es dann nach Schaffhausen zur Firma IWC. Nach Einführung in den Werdegang (140 Jahre Fertigung von Taschen- und Armbanduhren) und die heutige Strategie (nur mechanische Uhren, handwerkliche Perfektion, Verzicht auf Massenproduktion) der International Watch Company werden wir in zwei Gruppen durch die insgesamt zehn Abteilungen der Manufaktur geführt und haben danach Zeit, uns in Ruhe im Firmenmuseum umzuschauen. Die ca. 230 Exponate umfassen frühe Kaliber Jones-Uhren (in amerikanischen Gehäusen), erste Taschenuhren mit Digitalanzeige, Frack- und Damenschmuckuhren, frühe IWC-Armbanduhren, Flieger-, Beobachtungs- und Taucheruhren und natürlich „Il Destriero Scafusia“, eine der kompliziertesten Armbanduhren der Welt, die in limitierter Auflage zum 125. Firmenjubiläum hergestellt wurde.

Nach einem Mittagsimbiss in der Altstadt fährt ein Teil der Gruppe hinaus zur Moser Schaffhausen AG, die an eine 175jährige Tradition anschließend ebenfalls Präzisionsuhren herstellt. Der Namensgeber Heinrich Moser (1805-1874), ein Uhrmacher aus Schaffhausen, der in Russland zu Wohlstand gelangte – er belieferte den Zarenhof, die Fürstenhäuser und das russische Militär – , war nach seiner Rückkehr in die Schweiz durch seine Unternehmungen (Kanalbau, Waggonbau, Eisenbahn, Bau des Rheindamms zur Erzeugung von Antriebsenergie) maßgeblich an Schaffhausens Eintritt in das Industriezeitalter beteiligt. Die von ihm gegründeten Firmen sind größtenteils bis heute erfolgreich tätig.

Die übrigen Teilnehmer genießen eine sehr interessante Führung durch die Altstadt vorbei an prächtigen Bürgerhäusern mit reichbemalten und geschnitzten Fassaden hinauf zum Munot, einer im 16.Jh. erbauten Artillerieanlage zur Erweiterung der Stadtbefestigung, hoch über den Häusern mit weitem Blick über Stadt und Land rheinauf- und -abwärts. Besonders beeindruckend ist die Kasematte, ein gewaltiges Gewölbe mit vier Meter dicker Decke, wo in Kriegszeiten auch die Bevölkerung Schutz fand. Heute werden Kasematte und Vorplatz für Theatervorstellungen und Konzerte genutzt.

Ein besonderes Schmankerl ist am späten Nachmittag die Kartause Ittingen, gegründet im Jahre 1150, aufgehoben 1848, heute Schulungs- und Seminarzentrum. Beeindruckend ist der Kontrast zwischen der kargen eremitischen Lebensführung der Mönche in ihren Zellen – jeder bewohnte ein eigenes Häuschen – und der überbordenden spätbarocken Pracht ihrer Kirche mit einer prachtvollen Deckenuhr.

Am 18.9. fahren wir nach Winterthur. Nach kurzem Gang über den sehr ansprechenden Wochenmarkt besuchen wir das Museum Kellenberger, eine einzigartige Uhrensammlung, die Konrad Kellenberger (1905-19769) ab 1925 in nur 44 Jahren zusammengetragen hat. Frau Brigitte Vinzens führt uns nach herzlicher Begrüßung kenntnisreich auf eine Zeitreise durch vier Jahrhunderte und alle Aspekte der Uhrengeschichte von frühesten Formen der Zeitgeschichte über Räderuhren, Prunkuhren des 16. und 17. Jahrhunderts, Laternenuhren, Pendel- und tragbare Uhren aus dem 18.Jh. bis zur Serienproduktion und elektrischen Zeiterfassung. Besonderes Gewicht liegt auf eisernen Konsolenuhren von Liechti aus Winterthur und Schweizer Holzräderuhren aus dem 18. Jh. Eines der Glanzstücke der Sammlung ist eine astronomische Prunkuhr in Form einer Monstranz aus Augsburg von ca. 1600. Großes Interesse findet bei den Uhrenfreunden auch die einsehbare Restaurierungswerkstatt.

Nach dem Mittagessen geht es weiter nach Zürich. In zwei Gruppen besuchen wir dort das Museum Beyer und den Juwelier und Uhrmacher Türler.

Die schier unglaubliche Sammlung Beyer umfasst ca. 500 Exponate aus allen Bereichen der Uhrmacherkunst von einer ägyptischen Wasseruhr um 1400 v.Chr. bis zu zwei Patek Philippe Quarzuhren modernster Konstruktion mit einer Abweichung proTag von einer Tausendstel bzw. einer Millionstel Sekunde. Dazwischen liegen Holz- und Eisenuhren ab dem 12.Jh., erste Zimmeruhren, Renaissance-Uhren (u.a. ein Nürnberger Ei), herrliche Tischuhren aus Gold und Silber wie der „Vogel Greif“ von 1640, der zum nationalen Kulturgut erklärt wurde, Prunkstücke wie die „Tête de Poupée“ von Isaac Thuret, Paris 1690, eine Tischuhr mit Planetarium von J. A. Lepaute von 1770, eine Automatenuhr in Form einer Pagode, hergestellt 1780 in London für den chinesischen Kaiserhof, eine Uhr und ein Parfümbehälter in Form von zwei Kirschen aus Goldemail und die kleinste Uhr der Welt sowie Marinechronometer und Beobachtungsuhren.

Fast noch unglaublicher ist die Türler-Uhr, das von Franz Türler erbaute Modell des Kosmos, ein mechanisches Universum, eine „Uhr von einzigartiger Vollkommenheit“.

Die Uhr läuft seit dem 21. Juni 1995, ihre fünf Werke zeigen ein umfassendes astronomisches Spektrum von der kleinsten Zeiteinheit, der Sekunde, bis zum Sternenhimmel, der für einen Umlauf 25794 Jahre braucht. Nur mit Mühe können sich die Uhrenfreunde von diesem Wunderwerk trennen.

Nach so viel Perfektion dann eine unliebsame Überraschung: die Rückfahrt nach Güttingen verzögert sich, der Bus ist defekt und Abhilfe – es ist Freitagnachmittag – nicht einfach. Aber hartnäckiges Telefonieren von Herrn Beuerle und Herrn Aidan schafft dann doch sowohl einen Mechaniker als auch einen Ersatzbus herbei, so dass wir schließlich noch zu einem verspäteten Abendessen in unser Hotel gelangen.

Am Samstagmorgen, ist der Bus repariert, und wir fahren an das Südufer des Bodensees zum Schloss Arenenberg, wo nach Napoleons I. Absetzung seine Stieftochter Hortense mit ihrem Sohn, dem späteren Napoleon III: Asyl fand und Wohnung nahm. Wir wandern zuerst ein wenig in den schönen Parkanlagen umher und genießen den weiten Blick auf den unter uns liegenden See, dann werden wir durch die original erhaltenen Räume von Hortense sowie Napoleon und seiner Frau Eugenie geführt; sehr interessant und sehenswert.

Anschließend geht es nach St. Gallen. Über den dort gerade stattfindenden „Genussmarkt“, wo wir uns an z.T. gratis angebotenen Köstlichkeiten aus dem Umland delektieren, gelangen wir zur Kathedrale. Dort erwartet uns unsere Stadtführerin. Sie erläutert uns den Dom von außen – einer der letzten monumentalen Sakralbauten des Spätbarock – und von innen – eine Mischung aus Rokoko und Klassizismus, wobei in erster Linie die barocke Prachtentfaltung ins Auge fällt, ähnlich wie in Ittingen. Dann gehen wir hinüber in die Stiftsbibliothek, den schönsten profanen Rokokosaal der Schweiz. Sie ist Weltkulturerbe und umfasst 160.000 Handschriften, Frühdrucke und Bücher, viele davon aus frühmittelalterlicher Zeit (u.a. den Abrogans, das älteste deutsche Buch, einzigartige Neumenhandschriften, den Karolingischen Klosterplan, der älteste seiner Art, und eine der drei Urhandschriften des Nibelungenliedes. Bei der darauf folgenden Führung durch den historischen Stadtkern besichtigen wir die St. Laurentiuskirche, die erste reformierte Kirche der Stadt, sowie die Stelle, wo nach der Reformation zeitweilig eine hohe Mauer den Dombezirk von eben dieser Kirche und den reformierten Bürgern abschottete. Der weitere Rundgang führt vorbei an prächtigen Bürgerhäusern und über die „Stadt-Lounge“, ein modernes Projekt, das versucht, Straßen und Plätze durch einheitlich rote Bemalung, quasi aus dem Straßenbelag herauswachsende Sitzgelegenheiten und besondere Leuchtkörper in Innenräume zu verwandeln, eben in eine riesige Lounge.

Am Sonntag treten wir die Heimreise an – mit Zwischenstop in Mindelheim, wo sich in der ehemaligen Sylvesterkirche das erste und reichhaltigste Turmuhrenmuseum Deutschlands befindet. Der Lehrer Wolfgang Vogt hat dort fünfzig Turmuhren aus der Zeit von 1562 bis 1933 zusammengetragen und so vor der Vernichtung bewahrt und der Nachwelt erhalten.

Äußerst kurzweilig und mit vielen vergnüglichen Anekdoten erklärt er uns seine Sammlung, die auch Präzisionsuhren aller bedeutenden süddeutschen Hersteller umfasst. Ein besonders schönes Stück ist auch die Nachbildung einer astronomischen Uhr aus dem Jahre 1529. Wir erklimmen den 48 Meter hohen Kapellturm, wo auf etlichen Etagen verschiedenste Turmuhren und die Pendel von weiter oben befindlichen Uhren zu sehen sind. Ganz oben können wir dann die Uhr mit dem zweitlängsten Pendel der Welt bestaunen und werden mit einem guten Glas Wein belohnt und verabschiedet.

Nach ruhiger Fahrt kommen wir am Abend wieder nach München und Nürnberg zurück und sind uns einig: Unter Herrn Beuerles Leitung (bei erschwerten Bedingungen: Frau Beuerle konnte wegen eines gebrochenen Knöchels nicht mitfahren, sodass alles Organisatorische auf seinen Schultern lastete) hatten wir eine lohnende, interessante und harmonische Reise. Herzlichen Dank dafür!

Anne Dörrie

Der DGC-Arbeitskreis, genannt "Franken-Stammtisch"

So hat es angefangen
 
Im Jahr 1993 gründete Helmut Steffen den "Franken-Stammtisch". Fünf Jahre später schrieb er seinen ersten offiziellen Bericht in den Mitteilungen:
Seit dem Frühjahr 1993 treffen sich die Teilnehmer vier Mal im Jahr in Bamberg im Hotel "Brudermühle", immer4 am Mittwoch im 3. Monat jeden Quartals. Waren es am Anfang ca. 12 Damen und Herren von möglichen 25, so sind es jetzt ca. 25 Mitglieder, die aktiv teilnehmen. In den fünf Jahren des Bestehensw konnten 15 neue Mitglieder gewonnen werden.

Fränkischer Uhrenkreis: Memmelsdorf bei Bamberg - 3. November 2010

Helmut Mai: Zeit - die leere Form des Nacheinander

Liebe Uhrenfreunde,

bereits mit der Überschrift zu meinem kurzen Referat habe ich angedeutet, dass es dazu heute Abend keine Bilder, oder gar Videos geben wird.

Stattdessen wird ich die folgenden Minuten, diese leeren Formen des Nacheinander mit hoffentlich für Sie interessanten Aussagen und Erklärungen füllen. Ich appelliere dazu ganz herzlich an nichts anderes, als Ihr wohlwollendes Vorstellungsvermögen!

Trotzdem will ich Ihnen gleich zu Beginn gerne verraten, wie auf die Frage, „was ist Zeit?“ eine einfache Antwort der klassischen Physik lauten könnte:

Zeit ist der zurück gelegte Weg eines bewegten Körpers multipliziert mit der Quadratwurzel aus dem Quotienten Masse zu Bewegungsenergie.

Ich denke, das ist jetzt jedem klar! Aber leider ist es komplizierter, denn seit Einstein wissen wir, dass in der Masse die Zeit ebenso nochmal versteckt ist, wie in der Energie…

Ich will’s noch mal anders versuchen, das ist eher philosophisch:

Zeit ist das, was das Sein braucht, um überhaupt existieren zu können. Vorausgesetzt, die Zeit hat auch Raum. Denn Raum ohne Zeit macht, genau wie Zeit ohne Raum, keinen Sinn.

Also: Raum und Zeit hängen immer (d.h. zeitlich!) und überall (d.h. räumlich!) zusammen!

Lateinisch: sie bilden ein Kontinuum, damit Sein überhaupt möglich ist. Seit Einsteins Relativitätstheorie Anfang des letzten Jahrhunderts ist die wissenschaftliche Welt dabei, genau das zu erforschen, nämlich, dass Zeit keine eigenständige physikalische Größe ist, sondern immanenter Bestandteil des Raumzeitkontinuums.

Wie schwer sich die Denker seit den Alten Griechen durch die Jahrtausende bis heute mit diesem Phänomen getan haben und noch tun, dazu ein paar Beispiele:

Was ist Zeit? Wenn mich niemand danach fragt, weiß ich es; will ich es einem Fragenden erklären, weiß ich es nicht mehr“

Das ist ein berühmtes Wort aus den ‚Bekenntnissen‘ des Hl. Augustinus.

Da klang Thomas Mann in seinem ‚Zauberberg‘ bereits ganz anders:

„Was ist Zeit? Ein Geheimnis – wesenlos und allmächtig. Eine Bedingung der Erscheinungswelt, eine Bewegung, verkoppelt und vermengt mit dem Dasein der Körper im Raum und ihrer Bewegung. Wäre aber keine Zeit, wenn keine Bewegung wäre? Keine Bewegung, wenn keine Zeit wäre? Frage nur! Ist die Zeit eine Funktion des Raumes? Oder umgekehrt? Oder sind beide identisch? Nur zu gefragt!“

Schon vor über 2500 Jahren hat Heraklit mit seinem „panda rei“, „Alles fließt“, den Grundstein für viele Bezeichnungen und Deutungen für das Zeitphänomen in unserer Umgangssprache gelegt, während Zeitgenossen von ihm sich für das genaue Gegenteil stark machten, wie das Paradoxon des Zeno (oder Xeno) zeigt: Dessen abgeschossener Pfeil sollte niemals sein Ziel erreichen können, weil er zu jedem Betrachtungszeitpunkt immer die Hälfte des noch verbleibenden Weges bis zum Ziel durchflogen hatte und so dem Ziel zwar beliebig nahe kommen, es aber niemals erreichen würde…

Die Internationale Gesellschaft zum Studium der Zeit beschäftigt sich unermüdlich  mit den Problemen, die ein gleichmäßiger Ablauf der Zeit mit sich bringt. (Wenn man natürlich der Annahme anhängt, dass die Zeit nicht untrennbarer Teil des Raumes IST, sondern irgendwie friedlich oder hektisch ABLÄUFT, dann muss man sich auch mit beliebig vielen theoretischen Problemen herumschlagen, die es physikalisch gar nicht gibt)

So hat vor Jahrhunderten der Erzbischof Usher durch intensivstes Bibelstudium heraus gefunden, dass Gott am Sonntag, den 23. Oktober des Jahres 4004 vor Christi Geburt (vermutlich gegen 16.25 Uhr?) die Welt erschaffen hat.

Selbst Leibnitz hat sich mit dem Gedanken beschäftigt, was vor der Schöpfung war:

„Angenommen, es fragte jemand, weshalb Gott nicht alles ein Jahr früher geschaffen hat, angenommen ferner, er wolle daraus den Schluss ziehen, Gott habe da etwas getan, wofür sich UNMÖGLICH ein Grund finden lässt, weshalb er so und nicht anders gehandelt, so würde man ihm erwidern, dass seine Schlussfolgerung nur unter der Voraussetzung gilt, dass die Zeit etwas außer den zeitlichen Dingen sei.“

Man sieht deutlich, wie kompliziert es ist, Probleme im kausalen Zusammenhang mit der Zeit zu diskutieren, und noch schwieriger ist es, sie sich vorzustellen oder sie gar zu verstehen. Denn Verstehen heißt ja immer, eine Sache, einen Zusammenhang auf etwas Allgemeines, Grundlegendes zurückführen. Doch es gibt nach dem Stand der  Naturwissenschaften nichts, das  grundlegender wäre als die Zeit!

In der Physik versucht man daher erst gar nicht, das Wesen der Zeit zu ergründen. Als viel zielführender galten und gelten Anstrengungen, die Zeit zwischen zwei definierten Ereignissen möglichst genau und dazu beliebig wiederholbar, und mit stets der gleichen Präzision MESSBAR zu machen.

Seit Jahrhunderten nennt man solche Messgeräte UHREN.

Und wer weiß das besser, als hier unsere ehrenwerte Gesellschaft für Chronometrie, für die „Messung der Zeit“?

Wir wissen, wie bewundernswert und beeindruckend die Fortschritte seit den ersten Sonnen-Uhren, Wasser-Uhren, Sand-Uhren, Wachskerzen-Uhren und letztlich mechanischen Räder-Uhren bis heute waren. Und noch immer sind.

Die wichtigste Erkenntnis für eine brauchbare, Zeiterfassung war dabei die Entdeckung der regelmäßigen Schwingung einer definierten Masse.

(Galilei soll 1600 beim Beobachten eines schwingenden Leuchters im Dom zu Florenz die Erleuchtung gehabt haben, dass die Schwingungsdauer des Leuchters unabhängig von seiner Auslenkung immer die gleiche blieb. Damit war das Pendel als „Taktgeber“ geboren. Wir wissen heute, dass das nicht nur für Pendel, sondern für Schwingungen aller Art gilt:

Die Änderung der Amplitude hat keinen Einfluss auf die Schwingungsdauer. Wäre ja schlimm, wenn ein Dreiklang am Klavier bei Mezzo-Forte wie c-Dur, bei Fortissimo nach cis-Dur klänge!)

Ob Waag-Unruh, Pendel, ob Schweinsborste oder Unruhreif mit Spiralfeder: Zusammen mit intelligenten Hemmungsmechanismen war es möglich, die künstlich erregten Schwingungen immer genauer zu stabilisieren. Ein gigantischer Fortschritt, der bis heute anhält:

Von der Turmuhr des 13. Jahrhunderts mit mehr als einer Stunde Abweichung pro Tag bis zur neuesten Natrium-Atomuhr mit einer Ganggenauigkeit von  10-9 Sekunden im Jahr. Was für ein Weg!

Und jede Innovation schien ein neues Non-Plus-Ultra zu markieren:

Die 50 Hertz des Wechselstromes waren ein Dutzendmal schneller als die Chronometer-Unruh. Aber diese Uhren waren ortsgebunden, da niemand mit einer Kabeltrommel durch die Gegend laufen wollte. Es folgte die tragbare elektronische Uhr mit einem schwingenden Quarz als Unruh. Plötzlich waren rd. 30.000 Schwingungen in der Sekunde praktizierte Normalität. Und mit der ersten Cäsium-Uhr, einer sog. Atomuhr wurde die unvorstellbar winzige Gangabweichung von 1 Sekunde in etlichen Millionen Jahren zum Stand der Technik.

Und jetzt die Natrium-Uhr: Sie macht 7.2 Trillionen Halbschwingungen in der Stunde. Das bedeutet weniger als  1 Sekunde Abweichung in einer Milliarde Jahren!

So einen Zeitraum könnte sich kein Politiker vorstellen. Deren Zeit-Horizont endet bei vier Jahren!

Gestatten Sie mir einen Vergleich:

Seit der Entstehung unseres Sonnensystems bis heute wäre die Gangabweichung einer Natrium-Uhr gerade mal so groß, wie die eines sorgfältig in 6 Lagen justierten Chronometers in einem einzigen Tag.

Das Schwingungssystem dieser Uhr ist ein einzelnes Natrium-Atom in einer Ionenfalle, dessen Zittern über einen Laser abgegriffen und mit einem zweiten, nahe auf den absoluten Nullpunkt von -273 °C  abgekühlten, also ruhig gestellten Referenz-Natriumatom, über ein 75 Meter langes Glas-faserkabel verglichen wird. Und zwar so, dass die Heisenberg’sche Unschärfe-Relation keinerlei physikalischen Einwände erhebt.

Ob diese Uhr einen Endpunkt in der über 700-jährigen Nutzung des Perioden-Prinzips für die Zeitmessung markiert, wird wohl niemand ernsthaft behaupten. Denn schon bei der Cäsium-Uhr wähnte man sich an der Grenze des Machbaren.

Aber eines gilt für alle Uhren:

Ob Sonnenuhr, Turmuhr, Standuhr, Wanduhr, Tischuhr, Halsuhr, Taschenuhr, Armbanduhr, Quarzuhr, Cäsium-Uhr, Natrium-Uhr:

Mit allen Typen ist es möglich, die Zeit zwischen zwei beliebigen Ereignissen zu messen, mit der zuletzt genannten Natrium-Uhr sogar mit geradezu astronomisch hoher Genauigkeit.

Aber WAS DIE ZEIT IST, was ihr PHYSIKALISCHES WESEN wirklich ausmacht, darüber gibt uns keine noch so genau gehende Uhr eine Auskunft!

Ich probier’s mal fränkisch: „Was hat die Zeit mit Rindfleisch gemeinsam?“ Die Antwort ist erschütternd: Sehr viel und nichts! Die heutige Analysentechnik setzt uns zwar in die Lage, ein Rinderfilet mit einer Genauigkeit von weniger als einem Nano-Gramm zu wiegen. Aber der Frage, was denn das Rinderfilet genau ist, seine molekulare Struktur, sein Wärmeverhalten in der Pfanne, sein Geschmacksstoffe usw. usw., darüber erfahren wir trotz aller Genauigkeit des Wiegens NICHTS!

Ähnlich geht es uns mit der Zeit: Auf eine Milliardstel Sekunde pro Jahr genau messbar, aber keine Aussage, WAS wir da so genau messen.

Aber wir geben noch nicht auf. Zwar können wir, WAS Rindfleisch ist, nicht wiegen, aber wir kennen viele wohlschmeckende Methoden, es NACH dem exakten Wiegen sinnvoll zu nutzen. Und das ist ja letztlich irgendwo der Sinn und Zweck des Ganzen.

Lassen Sie mich in diesem Sinne noch ein paar Gedanken äußern, warum uns der tägliche Sprachgebrauch eigentlich eher falsche, irreführende Bilder vom Wesen der Zeit vermittelt, und dies bereits seit Jahrtausenden:

„Wie viel Zeit haben Sie denn mit gebracht?“

„Ich hoffe, ich stehle Ihnen nicht Ihre kostbare Zeit!?“

„Haben Sie mal kurz Zeit für mich?“

„Mein Gott, die Zeit ist wie im Flug vergangen!“

„Jetzt ist schon so viel Zeit verflossen, Herr Mai, und wir haben noch nix Neues gelernt!“

Man könnte diese Liste des Zeit- Verfließens, -Vergehens, -Stillstehens usw. beliebig verlängern. Richtig ist keines davon, denn alles Folgende kann die Zeit mit Sicherheit NICHT:

Fließen, springen, anhalten, vergehen, stillstehen oder gar rückwärtsgehen.

Was wirklich fließt oder vergeht, das sind die Ereignisse, die Dinge, die wir tun. Alles, alles, was wir erleben, was wir sehen, hören, riechen schmecken, fühlen, ja selbst, was wir denken, all das passiert zwischen mehr oder weniger zufälligen Fix-Punkten, die einen Daseins-Abschnitt markieren. Die Zeit merkt nichts davon. Wie sollte sie auch?

Ein besonders verlockender Irrweg ist für uns das Biometrische Erleben der Zeit, wenn wir uns in Situationen befinden, wo wir glauben, das „Fließen“, „Schleichen“ oder „Eilen“ der Zeit definitiv zu spüren:

So mag z. B. 1 Stunde zwölftoniger Musik für den Stockhausen-Fan Herrn Meier bedauerlich kurz sein, für den Walzerliebhaber Müller dagegen wären es quälend lange 60 Minuten gewesen. Wie aber sollte für die Beiden, die in dem Konzert auch noch nebeneinander saßen, die Zeit verschieden schnell verflossen sein? Noch dazu, wo doch die Zeit die Vorlieben der Herren Meier und Müller gar nicht kennen konnte?

 

Liebe Uhrenfreunde!

Die Zeit fließt nicht. Die Zeit ist!

Wir bewegen uns durch die Zeit. Egal, ob wir auf dem Bett liegen, mit dem Auto fahren oder in der Rakete fliegen:

WIR BEWEGEN UNS DURCH DIE RAUMZEIT, DURCH DAS KONTINUUM!!!

Und wenn wir uns gerade mal nicht bewegen, wie gerade, wo wir alle auf unseren Stühlen sitzen, so bewegt sich doch die Erde: Um sich selbst, um die Sonne, diese wiederum um das Zentrum der Milchstraße und auch die bewegt sich innerhalb der sog. Lokalen Gruppe durch den Raum und so weiter. Es kann einem richtig schwindelig werden bei der Erkenntnis, dass es im Universum keinen Punkt gibt, den man als „Ruhenden Pol“ nutzen könnte! Nichts! Nirgends etwas zum Festhalten, zum Orientieren.

Und wie, bzw. wohin soll in diesem universalen Bewegungschaos die Zeit bitteschön fließen? Allein aus dieser Überlegung drängt sich schon der Schluss auf, dass die Zeit ein grundliegendes, ruhendes, allgegenwärtiges Etwas sein muss. Ein Etwas, DURCH DAS ALLE BEWEGUNG IM RAUM FLIESST…!!!

Wir reden gerne vom Jetzt, vom Augenblick, vom Momentan. Oder von damals, von längst passee, von gewesen. Und natürlich auch von bald, demnächst oder künftig. Und meinen dabei immer die verflossene, oder die gerade seiende, oder die künftige, auf uns zu kommende Zeit.

Meine Damen und Herren, all diese unscharfen, manchmal präzise scheinenden Bezeichnungen für die Zeit sind fromme, oft sogar wohltuende Täuschungen.

Nehmen wir mal den Begriff „Gegenwart“ als Beispiel. Eine EMNID-Umfrage hätte ziemlich sicher ergeben: 100% der Befragten wissen exakt, was Gegenwart ist: JETZT! Fränkisch: Etzatla! Was denn sonst?

Aber, leider:   Es gibt KEIN für uns erkennbares JETZT!

Sehen Sie: Während ich das Wort „Jetzt“ ausspreche, macht die o.g. Natrium-Uhr 3x1014 (Das sind 300 Billionen!) absolut sauber definierte Sinus-Schwingungen durch die Zeit. Eine unvorstellbare Anzahl von Schritten, aber keiner davon ist im menschlichen Sinne in diesem, von mir gesprochenen  „Jetzt“ als „Gegenwart“ wahrnehmbar.

Das wäre genauso, als wollte man mit einer Baggerschaufel unter dem Mikroskop  die Wasser-Moleküle einer Lachträne von den Salzmolekülen trennen...

Es ist aber noch schlimmer: Alles, was wir tun, was wir empfinden, was wir denken, alles ist im Sinne der Zeit, auch, wenn unser Verstand blitzschnell zuschlägt, „Vergangenheit“.

Und zwar schon immer, noch immer und immer wieder!

Der 2. Schluck aus dem Glas ist bereits ein anderer, ein älterer Wein. Man kann mit heutiger Analysetechnik den biologisch-chemischen Umbau und damit die Geschmacksveränderung einer so komplexen Flüssigkeit wie 2003er SILVANER im Sekundentakt vermessen! Aber unsere Sinne sind so schlecht auch nicht. Nur eben viel langsamer:  Wir müssen das Glas nach dem ersten Schluck nur 2 Stunden rumstehen lassen, und der edle Tropfen wird allen Reiz verloren haben.

Ein weiteres, sehr schönes Beispiel ist die alte Indianer-Weisheit:

DU STEIGST NIE ZWEIMAL IN DENSELBEN FLUSS!  (Ich fürchte, allein dieser eine Satz sagt mehr über die Zeit, als meine ganzen Ausführungen bisher. Ich habe ihn –vielleicht weil man als Vortragender auch immer ein bisschen Masochist ist?- trotzdem zitiert.)

Es gibt im Universum kein JETZT:

Der Mond ist 3,3 Sekunden, die Sonne 8 1/3 Minuten, Andromeda gar 2 Millionen Jahre älter, wenn wir sie sehen. Und kein Europäischer Gerichtshof würde beschließen, dass Andromeda als Große Nachbarin unserer Heimatgalaxie jetzt immer noch existiert. Selbst wenn sie bereits vor 1 Million Jahren explodiert, oder zu einem Schwarzen Loch von galaktischen Ausmaßen implodiert wäre: Es würde weitere 1 Million Jahre dauern, bevor wir überhaupt was davon sehen könnten; und mindestens nochmal 40-50 Millionen Jahre, bis uns die ersten Trümmer um die Ohren flögen!

Es gibt kein für uns erkennbares „Jetzt“:

Dazu muss ich gar nicht Andromeda UND DIE Konstanz der Lichtgeschwindigkeit bemühen. Ich kann es Ihnen an Hernn Beuerle demonstrieren:

Unser langsamster Sinn ist unser Empfinden für Wärme und Kälte. Seine Geschwindigkeit in unserem Medium „Körper“ repräsentiert quasi die Lichtgeschwindigkeit für Temperatursignale.

(Ich nehme den silbernen Kuli und gehe damit auf Herrn Beuerle zu). Stellen Sie sich bitte vor, dieser Silberstift sei 120°C heiß. Sie wissen, dass Silber, ebenso wie Aluminium die Strahlungszahl 1 besitzt, d. h. wenn ich gleich mit dem Stift Ihre Hand berühre, spüren Sie von der Annäherung gar nix, egal wie langsam ich mich anschleiche. Erst wenn der Stift direkt ihre Haut berührt, merkt Ihr Tastsinn: Hoppla, HEISS! Aber, weil das Temperatursignal ca. 200 Millisekunden benötigt, ehe es die knapp 80 cm bis zum Schmerzzentrum in Ihrem Gehirn durchlaufen hat, rufen Sie erst dann „Aua!“, wenn ich samt meinem heißen Kugelschreiber wieder an meinem  Platz stehe. Und alle anderen hier würden sich verwundert fragen: Wieso schreit der Beuerle erst jetzt, wo doch der Mai schon längst weg ist?

Also: Ein genaues Jetzt gibt es für uns auch im direkten Erleben nicht!

Von den drei denkbaren Zeitformen ist nur eine einzige für uns real fassbar: DIE VERGANGENHEIT. Der Anblick des total veralteten Nachthimmels ist dafür das überzeugende Beispiel. Aber unsere Umwelt hält noch ein Zeit- Kuriosum bereit:

Jünger, jung, alt, uralt, steinalt usw. Der nüchterne Verstand sagt uns täglich  -und der Blick in den Spiegel nickt dazu- dass man zwar stetig älter wird, aber jünger bestenfalls im Vergleich SEIN, jedoch niemals WERDEN kann! Die Kosmetikindustrie lebt von der schamlosen Anpreisung des „Jünger Werdens“, des „Jung-Bleibens“ usw. Dabei sind die Geldbeutel der Anti-Aging-Propheten das einzige faltenfrei –weil prall gefüllt- Bleibende in dieser boomenden Branche.

Weil ich aber heute Abend keine Cremes und Falten-Bügler verkaufen, sondern dem Phänomen Zeit auf der Spur bleiben will, möchte ich Ihnen zum Thema „Alter“ und „Leben“ einen weiteren, interessanten Aspekt vorstellen:

Ich bin knapp 70 Jahre alt. Das sieht man. Aber es stimmt natürlich für einen am Phänomen „Zeit“ interessierten Alten Herrn wie mich „SO“ überhaupt nicht.

Ich bin älter.

UND ZWAR VIEL ÄLTER!

Diesen Kerl, der hier vor Ihnen steht, wenn den ein hypothetischer Wissenschaftler nicht nach Größe, Gewicht und Beweglichkeit, sondern ausschließlich nach dem physikalischen Alter der an und in dessen Körper vorhandenen Substanzen bewerten würde, der käme zu dem Ergebnis, ich sei zum allergrößten Teil älter als unser Sonnensystem! Kein Scherz, liebe Uhrenfreunde! Meine 115 kg Masse bestehen aus ein paar QUADRILLIONEN Elementen (Das ist eine Zahl mit 24 Nullen!)

Was soll das, wie kann das sein, fragen viele jetzt zu Recht. Aber es stimmt wirklich. Und steht so sogar schon –man staune!- in der Bibel: Am letzten Schöpfungstag, der Herr war schon ein bisschen müde, nahm er einen Klumpen Lehm, formte ihn nach seinem Bilde und hauchte ihm seinen Odem ein. Tatsächlich waren für die ersten organischen Einzeller, aus denen sich das Leben zu entwickeln begann, vor 3 ½ Milliarden Jahren bereits die meisten dafür benötigten Elemente in der Erde (also dem Lehm!), dem Wasser und der Atmosphäre (dem göttlichen Odem) enthalten.

Und warum ist das alles älter, als unser Sonnensystem? Ganz einfach: Wir wissen heute, dass alle Elemente schwerer als Eisen, bei den Kernreaktionen im Innern eines „normalen“ Sternes, wie unserer Sonne, niemals erbrütet werden können. Dazu braucht es Temperaturen und Drücke, wie sie nur in einer Supernova kurzfristig auftreten. Und diesen erschreckend explosiven  Zustand hat und wird unser jetzt ca. 5 Milliarden Jahre altes Muttergestirn niemals erleben können. Dazu ist ihre Masse schlicht um ein Vielfaches zu klein.

Folglich müssen all diese Elemente oberhalb des Eisens bereits vorhanden gewesen, aus älteren Spernovae entstanden sein, bevor sich unser Sonnensystem aus einer vermutlich viele Lichtstunden großen, uralten Staubwolke durch das Zusammenspiel von Gravitationskräften und Drehimpulsen gebildet hat.

Und alle diese Teilchen in mir aus der stabilen Elementfamilie des Perioden-systems sind eben aus dieser Zeit und damit auch so alt!

Bevor Sie mich jetzt als Ungeheuer, oder gar als Zombie einschätzen: Selbst wenn Sie ein paar Kilo leichter sind, es geht Ihnen, uns allen, ja aller lebenden organischen Materie auf Erden seit Milliarden Jahren ganz genau so: Nur alte, steinalte ur-ur-ur-uralte, x-milliardenmal zuvor woanders verwendete Teilchen!!!

Das sind wir!

Was ich Ihnen mit dieser, wahrscheinlich manchen unter Ihnen schockierende Tatsache sagen will, ist:

Mehrheitlich sind die Atome, aus denen wir bestehen, zwar älter als das Sonnensystem, aber in DER ganz individuellen Zusammensetzung eines jeden körperlichen Ego existieren sie eben erst seit unserer Geburt. Damit ist jede Person im gesamten Universum seit ihrer Geburt eindeutig, der Mathematiker würde sagen „eineindeutig“ als Person definiert. Und zusammen mit dem Gehirn die Persönlichkeit, die jeden als Menschen auszeichnet:

Der Mensch: Jedes Mal perfekt gestylte Hardware aus unvorstellbar alten Bauteilen, mit einem über viele Jahrhunderttausende ausgereiftem Betriebssystem drin, (heute heißt das Gen-Pool) und jede Menge Terabyte freier Speicherplatz auf der Festplatte. Für neue, individuelle Anwender-Software. Das ist der Mensch aus rein materieller Sicht.

In unserer heutigen Kreislauf-orientierten Gesellschaft könnte man es sogar auch so formulieren:

Jeder Neue Erdenbürger besteht aus hyper-alten, bereits viele Millionen Male zuvor verwendeten, aber letztlich wieder liebevoll recycelten Wertstoffen.

Und auch hier gibt es interessante Parallelen, diesmal zu einer der friedlichsten Religionen dieser Welt: Der Buddhismus kennt nicht Hölle und Himmel. Dafür besteht seine moralisch sittliche Orientierung auf Erden in der Gewissheit, dass jeder, entsprechend seiner Lebensführung, nach dem Tod als ein niederes, vielleicht gar verabscheutes, oder als ein willkommenes, vielleicht sogar geliebtes  Lebewesen wiedergeboren wird.

Das hat was!

Soviel zu dem kuriosen Unterschied zwischen individuellem und physikalischem Alter.

Übrigens, wem das vielleicht zu spitzfindig erscheint, dem will ich ein Beispiel aus dem Alltag geben:

Ein Künstler nimmt Kreide von der Insel Rügen und malt damit Ihr Portrait auf eine Schiefertafel. Wo ist das Besondere? Nun, die Kreide ist in dieser Form mindestens 60-70 Millionen Jahre alt. Da lebten die Saurier noch. Das Portrait existiert, Sie haben ja dabei zugesehen, gerade mal 10 Minuten. Der Schiefer der Tafel ist auch bereits einige Zehn Millionen alt. Wie alt ist jetzt das Kunstwerk insgesamt, wenn Sie es denn kaufen wollen??

Sehen Sie? Deswegen sind wir Alle hier älter als das Sonnensystem und trotzdem deutlich jünger als 90 , ok?

Lassen Sie mich wieder zum Urphänomen Zeit zurückkehren.

Es gibt keinen logisch zwingenden Grund, warum die unvorstellbar winzigen Zeit-Marken der modernen Natrium-Uhr die Grenze der Auflösbarkeit bilden sollten!? Gehen wir mal in Gedanken ein paar Tausend Jahre zurück! (In der Zeit Zurück-DENKEN, das geht mathematisch-physikalisch  widerspruchsfrei!):

Für die Alten Philosophen im damals noch nicht so hoch verschuldeten Griechenland galt das Atom als kleinster, vorstellbarer Baustein der Materie. Er war „atomos“, unteilbar!

Eine unglaubliche geistige Leistung für die damals noch nicht vorhandene Naturwissenschaft!

Es dauerte über 2000 Jahre, bis dann zu Beginn des 20. Jahrhunderts der innere Aufbau dieser „unteilbaren“ Bausteine theoretisch formuliert und schließlich sogar die Wandel- und Spaltbarkeit von Atomen experimentell nachgewiesen wurde. Leider sind knapp 20 Jahre später, bei der ersten praktischen Anwendung dieser Erkenntnisse die hilflosen Bewohner von Hiroshima und Nagasaki vorher nicht um ihre Meinung befragt worden…

(Seither erzeugt alleine schon das Wort ATOM Angst und Abscheu bei naturwissenschaftlich nicht aufgeklärten Mitmenschen. Ich habe auf den Hinweis, dass wir alle aus Atomen und nur aus Atomen bestehen, schon mehrfach die Frage  gehört: Und wieso explorieren wir dann nicht?)

Warum ich das erwähne? Weil alle Erkenntnisse der Natur-Wissenschaft direkt und indirekt vom jeweiligen Stand der Zeitmesstechnik abhängen.

Wir wissen längst, dass es unterhalb der lange als unteilbar geltenden Welt des „atomos“ noch eine weitere Welt vielfältiger Teilchen gibt. Und es ist kein Ende abzusehen: Hinter jeder Tür, die die Wissenschaft aufstößt, warten weitere Überraschungen. Je größer und je hochenergetischer die Speicherringe und die Beschleuniger der Physiker werden, umso mehr überraschende Teilchen tauchen aus der Schwärze des Unbekannten auf.

Aber EINES ist allen, auch den exotischsten Teilchen gemeinsam: Sie brauchen Zeit. Und sei ihre Lebens-Spanne noch so winzig! Sie brauchen Zeit, um zu existieren. Zeit, um sich zu bewegen. Zeit, um ihre spezifischen Wirkungen zu entfalten. Oder uns zumindest ihre Existenz zu verraten.

Momentan haben wir die Natrium-Uhr mit 1015 Schwingungen in der Sekunde. Wer will behaupten, diese pico-, femto-, oder atto- Sekunden-Splitter seien bereits kurz genug, um uns der Erkenntnis näher zu bringen, was „die Welt im Innersten zusammen hält“?

Ich bin der Auffassung:  Solange wir keine konkrete Vorstellung davon haben, Wer oder Was Gravitation ist, solange wir nicht verstehen, wie die Teilchen in der Quantenwelt mit eben dieser ungeklärten Anziehungs- und Raum-Krümmungs-Kraft interagieren, solange werden wir auch nicht sicher sein können, dass unsere Zeitmessgeräte, obwohl bereits auf Billiardstel Sekunden geschliffen, ausreichend fein dafür sind!?

Lassen Sie mich dazwischen mal ein etwas weniger schwieriges Zeitproblem einflechten:

Es existiert eine experimentell präzise beweisbare Tatsache, die jeden Theologen schmerzlich aufstöhnen lässt:

Der Teufel altert langsamer, als der Liebe Gott!

Das ist keine Gotteslästerung, das ist Physik! Es lässt sich leichter erklären als manch päpstliches Dogma:

Wenn Licht sich einer Masse nähert, erfährt es, das Licht eine sog. gravitative Rotverschiebung, d.h. die Schwingungen des Lichts werden durch die Schwerkräfte der Masse abgebremst, sie werden gedehnt! Nicht etwa das Licht wird in seiner Ausbreitungsgeschwindigkeit langsamer, nein, nur die Frequenzen nehmen, abhängig von der Größe der Masse ab. Der „Ton“ des Lichts wird tiefer.

Es wird langwelliger, also roter (oder röter). Dies gilt für alle schwingenden Vorgänge im Universum. Und weil alle Lebensvorgänge auf Erden bis ins letzte Wasserstoff-Atom hinein nach den Gesetzen der Quantenmechanik schwingen und immer und nur schwingen, gehen auch die Schwingungen des Lebens im Gravitationsfeld irgendeiner Masse logischerweise LANGSAMER! Und zwar umso langsamer, ja näher sie dem Schwerpunkt dieser Masse, also dem Zentrum der Gravitation kommen. Man nennt dieses Phänomen auch Zeitdehnung oder wissenschaftlich Zeitdilatation.

Also, man muss sich nicht mit 98,5% der Lichtgeschwindigkeit bewegen, und man muss sich auch nicht am sog Ereignishorizont eines Schwarzen Loches herumtreiben, um eine messbare Zeitdehnung zu erfahren: Es genügt schon, im 17. Stock eines Hochhauses sein Büro zu haben, um pro Jahr ein paar Milliardstel Sekunden schneller zu altern, als die Jungs im Erdgeschoss! Vielleicht liegt da die Ursache für die Ungeduld mancher Spitzenmanager mit dem Arbeitstempo ihrer Mitarbeiter..? (Mein Versuch die Spitzen- Manager meines Arbeitgebers aus diesem Grunde zum Umzug in die Großraumbüros der unteren Geschosse zu bewegen, erwies sich als Edelflop!)

Jetzt aber zum Theologen-Frust:

Weil aber die Hölle laut Bibel ganz tief unten, nahe dem eisernen Mittelpunkt unseres Planeten brennt, altert der Teufel langsamer als jede Lichtgestalt oben auf Erden. Das sieht dem Kerl irgendwie ähnlich, oder?

Aber im Ernst:

Mit der Natrium-Uhr lässt sich heute schon bei Höhen-Differenzen von nur wenigen Zentimetern die resultierende Zeitdilatation bestimmen. Man plant, solche Uhren weiträumig über den Globus zu verteilen, und über die gemessene Dilatation Veränderungen in der geodätischen Struktur unseres Planeten laufend, d.h. zeitnah zu vermessen. So ließe sich  z. B. analog zu Ebbe und Flut, ziemlich präzise der Tidenhub der Landmassen auf den Kontinenten bestimmen. Ebenso gewänne man auf diesem Wege auch wertvolle Daten (Stichwort Plattentektonik) für bessere Vorhersagen, z.B. bei Erdbeben, Tsunamis und Vulkanaktivitäten…

Vielleicht auch hier ein anschaulicheres, fränkisches Beispiel für die Zeitdilatation:

Weil der aufrechte Gang dazu führt, dass die Beine dem Erdmittelpunkt näher sind, als der Kopf, altern die Füße langsamer. Was Sie später zu Hause leicht durch Vergleich der Falten auf der Stirne mit denen an der Ferse überprüfen können…

Im Februar 1954, fast 50 Jahre nach seiner Relativitätstheorie hat Albert Einstein den folgenden Ausspruch getan:

Falls Gott die Welt geschaffen hat, war seine Hauptsorge sicher nicht, sie so zu machen, dass wir sie verstehen“

Ob er dabei hauptsächlich an das immer noch unverstandene Phänomen der Zeit gedacht hat, ist nicht überliefert. Aber allzu abwegig wäre es nicht. Denn auch er musste zugeben, dass wir zwar mit unseren Mathematischen Werkzeugen durchaus 4-, ja sogar n- dimensionale Räume exakt berechnen können. Aber vorstellen? Wahrscheinlich niemals! s.o.

Wieso geht das nicht? Also, ich finde es schon einen kleinen Erfolg, wenn man wenigstens plausibel erklären kann, warum etwas NICHT funktioniert:

Unser Gehirn kann nur 3- dimensional

Aus der Schule wissen wir: Der Punkt hat Null Dimensionen, die Gerade ist ein-, die Fläche zwei- und der Würfel oder die Kugel dreidimensional. Hört sich ganz einfach an. Aber nur solange, wie man sich das nicht vorstellen will.

Versuchen Sie’s mal mit dem Punkt. Jeder, den ich bisher damit belästigt habe, hat mir bestätigt, dass er sich ein kitzekleines, meistens schwarzes Kügelchen mit dem Radius Null vorstellt. Richtig, aber eben ein Kügelchen! Versuchen Sie’s noch kleiner! Solange Sie in Ihrer Vorstellung ein Kügelchen bemühen, um sich den Punkt mit der Ausdehnung Null bildhaft vorzustellen (und „vorstellen“ heißt bildhaft sehen!), solange sehen Sie etwas beliebig Winziges, aber doch Dreidimensionales, nämlich eine Kugel. Und deren Volumen beträgt, auch als „Volümchen“ eines Kügelchens:  4/3 x r3 x Pi.

Gleiches passiert unserer Vorstellung mit den nächsten Dimensionen:

Die eindimensionale Gerade oder Linie ist ein beliebig dünnes, meistens rundes, aber immer dreidimensionales Etwas, wie ein Faden, ein Draht oder eine dünne Nudel…

Die Fläche ist ein ebenso unglaublich flaches, an den Rändern begrenztes Etwas, etwa wie ein Blatt Papier, ein gewalztes Blech oder eine Glasscheibe. Aber selbst wenn das alles nur eine Zehntel Atom-Lage dünn wäre, wäre es keine Fläche, sondern eine Art dünn gewalzter Raum, den unsere Vorstellung erzeugt.

Erst bei Kubus, Zylinder oder Kugel atmet unsere Vorstellungmuskulatur richtig auf: Die sind im Sinne des Wortes fasslich, begreifbar!

So, nachdem sich Ihr inneres Auge etwas erholt hat, stellen Sie sich bitte eine 4-dimensionale Kugel vor, in der als vierte Dimension die Zeit wohnt. Und diese 4. Dimension steht auch noch auf den drei Raum-Dimensionen der Kugel senkrecht! Jetzt haben Sie eine ungefähre Vorstellung davon, wie unser Universum dort, wo eigentlich nichts zu sehen ist, z.B. im Vakuum aussehen könnte.

Natürlich kann das niemand, aber trotzdem rechnen die String-Theoretiker ganz furchtlos mit bis zu 11 Dimensionen, in denen sie die Bestandteile des Kosmos, wie die der Zeit, der Masse, der Gravitation und natürlich auch der Quantenwelt unbekümmert auf- und einwickeln. Und wir Ingenieure rechnen manches Mal auch mit vier Dimensionen, z.B. in der Kinematik:

Eine Dachlatte hält hochkant ein Vielfaches an Belastung aus, als wenn sie Quer belastet wird. Das dafür verantwortliche Flächenträgheitsmoment hat die Dimension m4 ! Kann sich kein Schwein vorstellen, aber es stimmt!

Mit dem obigen Gedankenexperiment haben wir gesehen, dass es müßig ist, sich die Zeit bildhaft vorstellen zu wollen. Aber noch müßiger wäre es, durch die Zeit reisen zu wollen, selbst wenn uns tonnenweise SF-Literatur und Filme dies einreden wollen.

Mindestens 1 Kriterium macht körperliche Zeitreisen für alle Zeit unsinnig: Selbst wenn wir mit unserem Superraumschiff durch den 4-dimensionalen Hyperraum springen könnten, wir hätten nicht die Spur eine Ahnung, mit welcher Geschwindigkeit wir wo wieder auftauchen! Wir wären ja nicht einfach durch den dreidimensionalen Raum gereist. Das können wir mit der Air Berlin auch jetzt schon machen. Durch die Zeit reisen, heißt z.B. am gleichen Ort bleiben und hinter der vergoldeten Kutsche Ludwig des XIV. auftauchen. Das Problem ist nur, dass der Ort im Universum, wo dieser Ludwig damals mitsamt Frankreich und dem Rest der Welt durchs All raste, ein ganz anderer war. Und wir keine Ahnung hätten, wie wir den hier in der Gegenwart Zurückgebliebenen von dem aufregenden Ergebnis der Reise in die Vergangenheit Bericht erstatten könnten. Da hat nämlich Herr Werner  Heissenberg seine unumstrittene Unschärferelation dagegen gestellt: Entweder, wir können berichten, WO wir aufgetaucht sind..!

Nein, wir könnten nicht einmal das berichten, denn zum Sprechen oder zum Funken brauchte es ja Schwingungen, und die brauchen Zeit, und die wiederum ist unbestimmt, wenn wir uns gerade auf den Ort festlegen wollten…

Ich komme wieder zurück zu den wirklichen Leistungen, die beispielsweise unser Gehirn bei den unterschiedlichsten Arten der Zeitmessung vollbringt, ohne dass wir uns dessen jedes Mal bewusst sein müssen:

Das Hören ist ein Ergebnis der präzisesten Zeitmessung. Jede Art von Schallwellen, die unsere Ohren erreicht, wird über den bekannten Weg: Ohrmuschel, Gehörgang, Trommelfell, Hammer, Amboß und Steigbügel über die Flüssigkeit gefüllten Bogengänge zur Schnecke übertragen. Dort sitzen Tausende unterschiedlich feiner Härchen, die je nach Ton in Resonanz mitschwingen und einen für das einzelne Härchen charakteristischen Reiz über den Hörnerv an die Hör-Rinde im Gehirn leiten. Das ist alles bekannt. Aber, dass das Hirn in der Lage ist, Laufzeitunterschiede von wenigen Millisekunden zwischen dem Linken und dem Rechten Ohr zu messen und so fest zu stellen, wo, in welcher Richtung sich die Schallquelle befindet, das ist schon sensationell.

Natürlich funktioniert dieses Richtung-Hören nur für solche Frequenzen einwandfrei, deren Wellenlängen möglichst kleiner sind, als der Abstand zwischen beiden Ohren ist.

Das ist auch der einzige Grund dafür, dass man bei der Stereo-Anlage die Standorte der beiden Hochtöner sehr sorgfältig ermitteln muss, während der Subwoofer irgendwo stehen darf, wo er optisch nicht besonders auffällt. Hätten wir einen Schädel von Elefanten- oder gar Blauwalbreite, müsste der tiefe Lautsprecher wohl ebenso sorgfältig irgendwo mittig positioniert werden.

Noch erstaunlicher ist die Leistung unseres Gehörs bei der Analyse der Sprachfrequenzen. Die menschliche Stimme setzt sich aus Dutzenden von Grundtönen, Obertönen und Rausch-Anteilen so zusammen, dass für jeden Menschen ein komplett individuelles, einmaliges Frequenzspektrum entsteht. Und unser Hirn ist fähig,  nach einer relativ kurzen Lernphase das akustische Spektrum dem ihm bekannten Individuum zuzuordnen. Und das nicht nur im schalltechnisch keimfreien Studio, sondern, ohne zu erröten auch um 16.00 Uhr auf dem Münchener Stachus.

Bevor ich jetzt zum Schluss komme, möchte ich Ihnen noch ein schönes Beispiel nennen, wo und wie die Zeit im täglichen Leben wirkt, ohne dass wir das merken, oder gar wissen wollen.

Also: Wie hängt das ganz profane Einschlagen eines Nagels in einen Balken mit der Zeit zusammen?

Na ja, zunächst mal, dass man es nicht um Mitternacht im Reihenhaus machen soll. Das ist die triviale Lösung.

Damit der Nagel in das Holz gleitet, muss Kraft, unter Umständen große Kraft auf den Nagelkopf wirken. Die Kraft kann ich aufbringen, indem ich einen eisernen Handschuh anziehe und entsprechend fest auf den Nagel drücke. Dies entspräche in der Wirkung auch einer gleich großen Beschleunigung, wenn ich den Balken in Richtung des Nagels auf einem Geschoss befestige (in Gedanken geht sowas!) und dieses auf 5-fache Schallgeschwindigkeit beschleunige. Aber beide Experimente würden scheitern: Im ersten Fall, wenn ich nicht absolut senkrecht auf den Nagel drücke, verbiegt er sich, weil das Kristallgefüge im Eisen weniger Zeit zum Ausweichen benötigt, als ich, um die Kraft mit meiner Eisenhand genau in Längsrichtung des Nagels aufzubauen. Im Zweiten Fall funktioniert es auch nicht, weil der Nagel zu wenig Masse hat, um trotz der hohen Geschossbeschleunigung (= Kraft) die zähen Holzfasern zur Seite zu drücken und hinein zu rutschen.

Also greife ich zum ganz profanen Hausmittel, zum Hammer. Und wenn ich genug Übung habe, genügt ein einziger Schlag und der Bursche sitzt bis zum Kopf im Holz.

So, und was hat das alles mit der Zeit zu tun?

Sehr viel!

Sie wissen, dass man Geschwindigkeiten, außer im Auto,  in m/s misst. Dem Physiker ist das aber zu ungenau, der will‘s genau wissen und spricht von einer differentiellen Erfassung, d. h. kleinste denkbare Wegstrecke pro kleinster, denkbarer Zeiteinheit. Die Mathematik sagt dazu nicht Weg pro Zeit, sondern ds/dt = v, die Geschwindigkeit. Die mathematisch Gequälten unter uns wissen, dass ds und dt jeweils für ein unendlich kurzes Stück Wegs und für einen unendlich kurzen Zeitabschnitt steht. Das ist wichtig, damit man die Geschwindigkeit zu jedem beliebigen, noch so kurzen Zeitabschnitt exakt messen kann.

So! Jetzt gibt es aber noch die Beschleunigung. Das bedeutet, dass eine Geschwindigkeit stetig und ohne Unterbrechung gleichmäßig zunimmt. Der Mathe-Mensch wendet den gleichen Trick erneut an und differenziert diesmal die Geschwindigkeit nach der Zeit: Das heißt einfach dv/dt. Das v war aber  vorhin die Geschwindigkeit, die sich jetzt eben nochmal pro Zeiteinheit ändert. Also wird aus dv/dt  ein d2/dt2=b (b steht für die Beschleunigung).

Damit geht aber der Nagel noch nicht ins Holz. Ich sage Ihne auch gleich, warum. Aber zuvor muss ich den Nagel mit einer weiteren Ableitung  nach der Zeit überreden. Also nehme ich die Beschleunigung b und differenziere sie ebenfalls nach der Zeit und erhalte jetzt mit db/dt =d2v/dt2. Und wenn ich für v das obige ds/dt einsetze, steht da d3s/dt3. Jetzt entschuldige ich mich doch, dass ich das nicht auf USB-Stick zum Zeigen mitgebracht habe. Aber wenn ich Ihnen die Dimensionen dieses Mathe-Exkurses zeige, geht es Ihnen gleich wieder besser:

Das erste Differential brachte die Dimension (früher sagte man auch Benennung) der Geschwindigkeit in Metern pro Sekunden. Können wir uns alle vorstellen.

Im zweiten Schritt kam für die Beschleunigung heraus: Meter pro Quadratsekunde.

Und im letzten Differenzierungsschritt kam das raus, was den Nagel tatsächlich erst ins Holz treibt: Der RUCK! So nennt man die Änderung der Beschleunigung in der Zeiteinheit. Und dessen Dimension ist:  Meter pro Kubik-Sekunde!

Hört sich exotisch an, ist es aber nicht. Jeder hat schon den Teleskopstiel eines Regen-Knirpses zusammen geschoben, damit er wieder in die Tasche passt. Vielleicht ist es Ihnen noch nicht aufgefallen: Aber Sie drücken nicht einfach auf den Griff, da besteht nämlich die Gefahr, dass sich das dünne, Leichtbau-Telesköpchen verbiegt. Sie schlagen kurz mit dem Handteller auf den Griff und schon rutscht das Kerlchen zusammen. Und genau das ist ein Ruck, eine Beschleunigungsänderung in der Zeiteinheit!

Sie nutzen den Bruchteil einer dreidimensionalen Kubik-Sekunde, um Ihren Taschenschirm schonend zusammen zu schieben. Sehen Sie?

Die Zeit steckt voller Überraschungen. Selbst wenn sie Ihnen in kubischer Definition unterkommt…

Aber jetzt komme ich in der Leeren Form das Nacheinander wirklich zum letzten Beispiel des Phänomens Zeit für heute Abend: Die biometrische, individuell gefühlte Zeit.

Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass  wir alle hier die Pubertät bereits weit hinter  uns gelassen haben. Folglich sind wir in einem Alter, wo wir uns schon länger drüber wundern, dass die Zeit z. b. zwischen zwei Weihnachten viel „schneller vergangen ist“, als früher. Hab‘ ich recht?

Seit ungefähr 35 Jahren denke ich über dieses Phänomen der individuellen Zeitmessung nach. Und das Ergebnis meines langjährigen Grübelns will ich Ihnen als Freunde der präzisen Zeiterfassung gerne mitteilen:

Es gibt in unserem wahrlich nicht einfach konstruierten Gehirn KEIN Zentrum für die Messung der Zeit. Ist irgendwie auch logisch nach allem, was ich Ihnen über die Vorstellungskraft unseres Gehirns bei den Dimensionen des Raumes dargelegt habe. Aber in jeder unserer Aber-Milliarden Körperzellen hockt, versteckt, aber wirkungsvoll, eine ZellUhr, die genau weiß, wie spät es für die einzelne Zelle ist. Die moderne Wissenschaft hat mir dabei geholfen, diese Theorie zu formulieren:

Es ist inzwischen bewiesen, dass die Zellen unseres Körpers, mit Ausnahme der Gehirnzellen, etwa 45 bis 50 mal während eines Lebens neu nachwachsen. Das heißt: Alte Zelle stirbt ab, wird entsorgt, und neue Zelle übernimmt Funktion der abgestorbenen.

Vom Zeitpunkt der Geburt an läuft das so. Mit einer Interessanten Besonderheit:

Mit zunehmendem Alter wird dieser Vorgang des Zellerneuerns langsamer. Das gilt für alle Körperzellen. Auch für Krebszellen. Und genau bei diesen hat man glaubwürdig beobachtet, dass die Teilungsgeschwindigkeit bei älteren Betroffenen deutlich langsamer, als z.B. bei Jugendlichen Patienten ist.

Wenn nun also die biologische Uhr in jeder Körperzelle „sitzt“, hat das zur Folge, dass mit zunehmendem Alter die „Äußeren“, d.h. vom eigenen Biorhythmus unabhängigen Vorgänge in der Umwelt im Vergleich zu der langsamer laufenden Zelluhr schneller aufeinander zu folgen scheinen. Logisch!!!!

Folglich erscheint dem 10-Jährigen Schüler die Zeit zwischen zwei Weihnachten deutlich länger, als dem 70-Jährigen Rentner, oder?

Falls jemand unter Ihnen das anders oder gar gegenteilig empfindet, möge er sich bitte bei mir melden. Ich müsste dann meine Theorie, die ich seit Jahrzehnten unwidersprochen  -vor allem unter Medizinern-  streue, anpassen!

Liebe Uhrenfreunde,

Denken ist allen erlaubt.Vielen bleibt es erspart.

Ich habe mir in all den Jahren von dem Ersparten ein ganz persönliches Bild von unserer so raumzeitlos schönen Welt gezimmert. Und dass die Zeit darin die Hauptrolle spielt, das habe ich hoffentlich rüber gebracht…

Und weil Sie so geduldig zugehört haben, am Schluss noch ein Geständnis:

Ich glaube, dass die Zeit und die Frauen manches gemeinsam haben! Wir brauchen sie beide dringend, um überhaupt existieren zu können.

Aber verstehen werden wir sie NIE!!!

Denken Sie einfach mal daran, wenn Sie auf Ihre Uhr schauen..!!