Xaver Heine: Allgemeine Grundsätze über die Uhrenmacherei
Vöhrenbach/Villingen, 1849

133 S. Format 13 x 17,1 cm. 

Preis: Euro 10,00 (CD mit druckfertigen TIF Dateien)

Ref. 052

Das vorliegende hochwertige Faksimile macht ein Werk wieder zugänglich, aus dem in vielen Veröffentlichungen zur Schwarz­wälder Uhrmacherei zitiert wird, das aber im Original praktisch kaum zu finden ist.

Das Buch entstand in der Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem Zeitpunkt, als die Industrialisierung im Schwarzwald einsetzte. Xaver Heine schrieb es für seine Uhrmacherkollegen, da er zur der Einsicht gelangte, „daß die meisten Schwarzwälder-Uhren­macher noch sehr wenig richtige Kenntnisse besizen, und es deßwegen schwer gehen würde, wenn man die Stok- und Taschenuhrenmacherei betreiben will...“. Sein Ziel war deshalb, in knapper Form die zweckmäßigen Grundsätze des Uhrenbaus für Wand- Tisch- und Taschenuhren in leicht lesbarer Form zusammenzustellen. Nach 15 erfolgreichen Berufsjahren in allen verschiedenen Zweigen der Uhrmacherei und mit vielfäl­tigen Erfahrungen im In- und Ausland war er hierfür der ideale Autor.

Der Inhalt des Buchs umfasst alle gängigen Herausforderungen in der täglichen Praxis eines zeitgenössischen Uhrmachers. Heine beginnt mit Großuhren und behandelt nach dem Pendel und seiner Aufhängung Räderwerksberechnungen für verschie­dene Groß­uhren, feststehende und gezahnte Federhäuser, Ein­griffe, Räder- und Triebformen sowie ihre Proportionen und gibt Ratschläge für die Ausführung von Zapfen bei Steinlagern. Bei den Taschenuhren stehen nach der Kompensationsunruh die Vor- und Nachteile der verschiedenen Hemmungen sowie Pro­bleme bei der Reparatur der Taschenuhren und das Regulieren im Mittelpunkt. Es folgen noch Ratschläge zur Bearbeitung von Stahl und Messing mit Schleifen, Löten, Polieren usw. Als Abschluss enthält das Werk auf 11 Seiten einen aufschlussrei­chen Katalog mit Preisen des attraktiven Angebots von Xaver Heine an Uhrmacherwerkzeugen und Furnituren, welches von der großen Drehbank bis zum kleinen Zylinderrad reicht. Es ist einer der frühesten Furniturenkataloge, die noch existieren. Die Fülle des Sortiments, das bereits damals mit bequemer Bezugs­möglichkeit den Uhrmachern zur Verfügung stand, ist beeindru­ckend.

Franz Xaver Heine (1814 – 1886) stammt aus Vöhrenbach und wanderte mit seinem älteren Bruder Josef 1832 nach St.Peters­burg in Russland aus. Dort erlernte er das Taschenuhrmacher­handwerk bei einem deutschen Uhrmacher Ketterer. Nach 1837 sammelte er noch Erfahrungen in anderen Werkstätten in Russ­land sowie in England, Frankreich und der Schweiz. Da seine Eltern beide 1840 verstarben, musste er nach Hause zurückkeh­ren. Hier sah Heine deutlich die Defizite im heimischen Uhrma­chergewerbe. Er versuchte daher aktiv, die Schwarzwälder Uhr­macher mit seinen Erfahrungen zu unterstützen und schrieb zahlreiche Beiträge in dem ab 1848 erschienenen „Uhrenge­werbsblatt für den Schwarzwald“. Die badische Regierung schickte ihn dann 1849 zusammen mit Lorenz Bob und Prof. Wilhelm Eisenlohr auf eine Studienreise nach Frankreich und in die Schweiz, um dort die Situation der lokalen Uhrenindustrie zu untersuchen sowie Maschinen, Werkzeuge und Musteruhren für die in Gründung befindliche staatliche Uhrmacherschule in Furtwangen zu beschaffen. 1852 gründete Xaver Heine seine eigene Firma, die als erste in Deutschland gefräste Volltriebe für Uhren herstellte und damit die damalige Monopolstellung der Schweiz brach.

Weiterführende Informationen zu Xaver Heine finden sich bei Gerd Bender, Die Uhrmacher des hohen Schwarzwal­des und ihre Werke, Bd. II, 1978.