Kai Budde: Sternwarte Mannheim – Die Geschichte der Mannheimer Sternwarte 1772 – 1880

Herausgegeben vom Landesmuseum für Technik und Arbeit, Mannheim 2006 mit Unterstützung der Heinrich-Vetter-Stiftung. 200 Seiten, Format 23 x 17,5cm; ISBN-10 3-89735-473-X. 17,90 €. http://www.landesmuseum-mannheim.de/start.htm

LTA_0001_Internet

 „Das Buch erzählt aufgrund bisher unausgewerteter Akten die Geschichte der Mannheimer Sternwarte neu und bringt bisher unbekannte Aspekte zum Vorschein. Es schildert die harten Arbeitsbedingungen der Astronomen und deren Gehilfen, ihre Forschungsvorhaben, die Einrichtung und späteren Umbauten der Sternwarte. Es gibt Einblick in den Bestand der astronomischen Instrumente, in deren Bestellung, Kauf, Transport und Aufstellung, erzählt aber auch von deren Vernachlässigung. Es zeigt auf, wie sehr die Mannheimer Sternwarte von den finanziellen Zuwendungen des Kurfürsten bzw. des Badischen Staates abhängig war. Und es verliert dabei den Vergleich zu anderen europäischen Sternwarten nicht aus den Augen.“ So der Text auf der hinteren Umschlagseite
 

Wesentliche Impulse zur Verbesserung der Zeitmesstechnik gingen immer auch von der Physik und der Astronomie aus. Insofern verwundert es nicht, dass zwei der wesentlichen Erfindungen, das Pendel und die Spiralfeder, von Christiaan Huygens gemacht wurden, der ja Physiker und Astronom war.

 

Solche bahnbrechenden Impulse gingen von den Astronomen der Mannheimer Sternwarte zwar nicht aus, aber sie zählte in ihrer Hochzeit schon zu den führenden in Europa. Dies war in erster Linie das Verdienst des vom Kurfürsten Carl-Theodor eingesetzten Hofastronomen Christian Mayers. Er stattete die Sternwarte mit exzellenten Geräten aus England und Frankreich aus, darunter auch Uhren von führenden Uhrmachern seiner Zeit: André Lepaute (1757), Martin(?) Krapp (um 1769), Eardley Norton (1769) und John Arnold (1779). Dazu kam eine Öhrsonnenuhr von Philipp Matthäus Hahn (ca. 1777).

Mayer selbst hat der Zeitmessung große Bedeutung zugedacht, denn er schrieb 1771 in einem Brief an den Kurfürsten über die Aufgaben einer Sternwarte „... die tägliche und jährliche genaue Zeitrechnung, die Berichtigung der Uhren, ...“

Neben den astronomischen Aufgaben der Himmelsbeobachtungen, wie z.B. die Venustransite von 1761 und 1769, hatten die Astronomen auch die Vermessung der Kurpfalz auferlegt bekommen, da astronomische Vorgänge die Grundlagen der Ortsbestimmung bildeten. „So bestimmte Mayer während der Mondfinsternis vom 17. März 1764 und durch Messungen der Verfinsterung der Jupitertrabanten in den Jahren 1765 und 1766 die geographische Lage der Schwetzinger Sternwarte ...“ und immer spielte die Zeitmessung eine Rolle.
 
1826 bekam der damalige Astronom Nicolai die Aufgabe übertragen sich um die Stadtuhren in Mannheim und Heidelberg zu kümmern, denn „ ... Schon seit längerer Zeit herrscht in dem Gange der Stadtuhren in Mannheim und Heidelberg eine auffallende Verschiedenheit, ...“. Mannheim lieferte Mitte des 19. Jahrhunderts für das Großherzogtum Baden die Normalzeit, die von Mannheim ausgehend per Eisenbahn im ganzen Land verteilt wurde. Interessanterweise war die damalige Grundlage nicht eine Uhr des Observatoriums sondern die des Mannheimer Kaufhauses!
 
Die Bedeutung die die Mannheimer Sternwarte zu Zeiten Christian Mayers hatte, konnte nach seinem Tod nicht aufrecht erhalten werden. 1880 war ihr Ende gekommen. Zunächst wurden die Instrumente nach Karlsruhe gebracht, dann nach Heidelberg und 1983 wieder zurück nach Mannheim in das Landesmuseum für Technik und Arbeit. Dort können die Instrumente und die Präzisionsbodenstanduhren von Norton und Arnold besichtigt werden. Leider gingen die Uhren von Lepaute und Krapp verloren. Eine weitere Uhr, ein Taschenchronometer von Emery, ging nach München und war somit für Mannheim verloren.
 
Glauben Sie nicht, dass die Ausstattung der Sternwarte ein einfaches Geschäft war. Jeder der Astronomen musste um die entsprechenden Geldzuwendungen kämpfen. Von diesen mussten sie auch ihren Lebensunterhalt bezahlen. Einige lebten durchaus sehr einfach und gaben das Geld lieber für den Kauf astronomischer Instrumente aus.
 
Kai Budde beschreibt die Geschichte der Mannheimer Sternwarte und die Arbeitswelt der Astronomen sehr anschaulich und lässt so die damalige Zeit lebendig in der Phantasie der Leser wieder erstehen. Dazu trägt bei, dass der Text mit Abbildungen alter Stiche, Landkarten und Instrumenten aufgelockert wird.
 

LTA 0002

Abgeschlossen wird dieses lesenswerte Buch mit einem Literaturverzeichnis, sowie einem Katalogteil der (1) die Sternwarte in alten Zeichnungen und modernen Fotos und (2) die Instrumente anhand der Inventarlisten der Jahre 1776, 1783 und derjenigen des 19. und 20. Jahrhunderts zeigt. Leider gingen viele Instrumente verloren, darunter auch weitere Uhren. Alle noch vorhandenen Instrumente und Uhren können Sie in diesem Buch bewundern und natürlich im Landesmuseum für Technik und Arbeit. Dort können Sie dieses empfehlenswerte Buch auch erwerben.
 

Klaus Schlaefer