Borduhren

Mit der Umstrukturierung der 1. Staatlichen Uhrenfabrik im Jahre 1935 hat die Sowjetunion angefangen, eigene Flugzeug-Cockpit-Uhren zu bauen. Bis dahin wurden sie von Jaeger - Le Coultre aus der Schweiz importiert. Wie bereits Ende der 20er Jahre stellten sich hier erneut die Fragen: Lohnt es sich, einen eigenständigen Industriezweig für Flugzeugbordinstrumente aufzubauen? Kann man die benötigten Geräte nicht billiger bei den Herstellern, die ohnehin auf dem Weltmarkt schon führend sind, kaufen?

Die Antwort ist im Grunde die gleiche, wie wenige Jahre zuvor: Die Luftfahrt, militärisch und zivil, hatte für die Entwicklung der Sowjetunion strategische Bedeutung erhalten. Sie war damit zu wichtig, um sie von Importen abhängig zu machen.

Ich teile die Borduhren für Flugzeuge in drei Bereiche. Sie unterscheiden sich in erster Linie durch die Basis-Kaliber der Uhrwerke. 
Bei den ersten beiden Generationen dieser Uhren sind die Einbaumaße der Gehäuse identisch. Die Uhren unterscheiden sich lediglich in der Einbautiefe – bedingt durch Zusätze wie Heizung oder Elektro-Kontakte. 
Die dritte Generation unterscheidet sich vom Werk und vom Gehäuse grundlegend von den beiden Vorläufern.

In dem bereits mehrfach zitierten Faltblatt über Spezial-Uhren, das ich aus der 1. Moskauer Uhrenfabrik habe, sind auch die gängigsten Flugzeug-Borduhren aufgelistet. Daraus geht u.a. hervor, wann die genannten Typen in Dienst gestellt wurden und dass die Ganggenauigkeit bis Ende der 1950er Jahre mit einer Abweichung von einer Minute pro Tag nicht besonders hoch war. Das änderte sich erst mit der "АЧС-1", die eine tägliche Abweichung von 20 Sekunden hatte. 
Bemerkenswert ist auch, dass für diese Uhren - im Unterschied zu beispielsweise den Chronometern - kein Preis angegeben ist (drittletzte Spalte). Das ist darauf zurückzuführen, dass diese Uhren am freien Markt nicht zu kaufen waren.

0 Faltblatt fuer Spezial Uhren

1. Generation

Die erste Generation sind die Jaeger-Le Coultre für den russischen Markt (1930 – 1935), die Nachbauten in der 1. Staatlichen Uhrenfabrik (1935 – 1941), sowie in Slatoust (1941 – 1945) und in der 1. Moskauer Uhrenfabrik 1945 – 1962). 
Diese Generation ist einfach an dem links-drehenden Zeiger auf dem Hilfs-Zifferblatt für den Minutenzähler des Chronographen ("СЕКУНДОМЕР") erkennbar.

2. Generation

Die zweite Generation umfasst die Eigenentwicklung von Flugzeug-Borduhren in Tschistopol von etwa 1960 bis Mitte der 1980er Jahre. 
Diese Generation ist einfach an dem rechts-drehenden Zeiger auf dem Hilfs-Zifferblatt für den Minutenzähler des Chronographen ("СЕКУНДОМЕР") erkennbar.

3. Generation

Die dritte Generation umfasst "moderne" Uhren, die sich wesentlich von den Basis-Kalibern der ersten 50 Jahre russischer Flugzeug-Borduhren unterscheiden.