5. Die Zweite Phase - 17. Jahrhundert

Die zweite Phase Russischer Uhrmacherkunst umfasst das 17. Jahrhundert. In dieser Zeit finden Wanduhren, Tischuhren und Taschenuhren weite Verbreitung. Zentrum der Uhrmacher ist Moskau. Hier lebt und arbeitet eine große Zahl von ihnen – Russen und Emigranten, die einen praktisch unbegrenzten Markt für ihre Produkte vorfinden. In Moskau schlossen sich Ende des 17. Jahrhunderts die Uhrmacher zum „Uhrenhaus“, Tschasowoij Dvor, zusammen.

Nach den ersten Turmuhren in Moskau und in Nowgorod gab es zum Ende des 17. Jahrhunderts Turmuhren in den meisten der größeren Städte Russlands.
Valentin L. Chenakal benennt in seinem Werk über die Russischen Uhrmacher der Zeit von 1400 bis 1850 mehr als 600 Uhrmacher. Er hebt vier Turmuhr-Macher hervor: Nikifor Nikitin (Moskau 1610–1615, kleine Turmuhr im Frolowskij-Tor im Kreml), Christopher Halloway (Moskau 1621–1645, 1621 neue Turmuhr für den Spasskij-Turm im Kreml), Kiril Samoilow (Moskau, 1626 Turmuhr für den Frolowskij-Tor im Kreml) und Andrey Danilow (Moskau 1687/88, zuständig für die Turmuhren im Frolowskij-Tor).

Quelle: Polytechnical Museum, Moscow: Timepieces by master craftsmen, S. 218In den 20er Jahren des 17. Jahrhunderts erhielten die Wehrtürme des Kreml neue Aufbauten. Christopher Halloway baute für den Spasskij-Turm eine neue Hauptuhr für Russland – das „Horologium Moscoviticum“ mit dem „anzeigenden Kreis“. (Quelle: Polytechnical Museum, Moscow: Timepieces by master craftsmen, S. 218)
Das vom „Horologium Moscoviticum“ in der genannten Quelle und an vielen anderen Stellen verwendete Bild stammt von Augustin Freiherr von Meyerberg, der bei seiner Reise durch Russland in den Jahren 1661 bis 1663 viele Zeichnungen angefertigt hat. Deswegen ist es auch nicht erstaunlich, dass der Text unter dem Zifferblatt auf Deutsch ist.

Klaus Seide schreibt als Unterschrift zu demselben Bild der Halloway-Uhr:
„In dieser Zeichnung von A. Meierberg … wird das Zifferblatt des Spasskij-Turms (Moskauer Kreml) von 1661 wiedergegeben. Es zeigt die Einteilung von 17 altkyrillischen Ziffern, Tag- und Nachtanzeige auf einer einfachen Skala, die sich nach links verschob. Die Ziffer 17 ist auf der Zeichnung dort, wo sich bei und auf der Uhr die 9 befindet. In der Regel ist die verstrichene Zeit seit Sonnenaufgang ab der Ziffer 17 abzuzählen.“ (Seide: Bd.1, S. 18)

Bei dieser Uhr ist man von der Zeitanzeige mit „Temporalen Stunden“ zur Anzeige nach dem Prinzip der „Nürnberger Uhr“ übergegangen. Dazu schreibt Peter Hoffmann: „... ging man dazu über, gleich lange Stunden festzulegen. Man teilte dem Tag und der Nacht bei insgesamt 24 Stunden eine jeweils unterschiedliche Stundenzahl zu. Für Moskau bedeutete das, im Sommer 17 Stunden Tagzeit und 7 Stunden Nachtzeit, im Winter war es dann umgekehrt. Das Zifferblatt der Uhr auf dem Spasskij-Turm zeigte eine Unterteilung in 17, und nicht wie heute üblich in 12 Stunden, außerdem noch jeweils eine Markierung zwischen den Stundenangaben, die das Ablesen der halben Sunde ermöglichte. Dementsprechend war auch das Schlagwerk der Uhr ausgelegt, das bis zu 17mal schlagen konnte. Die Uhr hatte einen unbeweglichen Zeiger, das Zifferblatt mit einem Durchmesser von etwa fünf Metern drehte sich und zeigte damit die Stunden an. Minuten brauchte man im damaligen Leben noch nicht. ... Die Uhr musste bei Sonnenaufgang und bei Sonnenuntergang per Hand auf Null gestellt werden. Die Genauigkeit der Zeitanzeige war also davon abhängig, wie gewissenhaft der für die Uhr verantwortliche Wärter seinen Dienst versah.“ (Hoffmann: Einführung, S. 190f)

Die Uhr am Spasskij-Turm hat bis in die Neuzeit eine sehr wechselvolle Geschichte. Sie wurde mehrfach durch Feuer zerstört und immer wieder aufgebaut.