Die Zeit nach dem I. Weltkrieg

Der Erste Weltkrieg und die Russische Revolution haben die Welt verändert.

USA

In Amerika war die Wirtschaft durch den Ersten Weltkrieg angeregt worden; Wissenschaft und Technik blühten. Der Dollar, der durch Goldreserven gedeckt war, löste das britische Pfund als Leitwährung für den gesamten Welthandel ab. Dieser Boom galt aber nicht uneingeschränkt. So hatten beispielsweise die beiden von der Sowjetunion gekauften Uhrenfabriken „Dueber-Hampden“ und „Ansonia“ bereits vor dem „Schwarzen Donnerstag“ Konkurs anmelden müssen.

Der amerikanische Präsident Herbert Hoover kennzeichnete die Lage bei seinem Amtsantritt im März 1929. Er sagte, dass das amerikanische Volk ein höheres Maß an Wohlstand und Sicherheit erreicht habe als jemals zuvor und dass die Befreiung von der Armut auch das Maß der persönlichen Freiheit wachsen lasse. Hoover wollte mit Hilfe von Wissenschaft, Technik und Unternehmergeist auch anderen Ländern der Welt den amerikanischen Lebensstandard eröffnen.

Der Zusammenbruch der "Big-Business"-Periode begann mit dem großen Börsenkrach am 24. Oktober 1929, dem "Schwarzen Donnerstag". Die westliche Welt fiel in eine tiefe wirtschaftliche Depression, viele Fabriken wurden geschlossen. Bis 1933 halbierte sich die Industrieproduktion. Das Nationaleinkommen sank um drei Viertel. Die Arbeitslosenquote in den USA stieg von drei auf 25 Prozent. Resignation machte sich insbesondere unter den jungen Menschen breit. Der Welthandel kam zum Erliegen. An seine Stelle traten Isolationismus und nationaler Alleingang zur Lösung der eigenen Probleme.

Deutschland

Die Europäischen Staaten, Sieger wie Besiegte des Krieges, waren hochverschuldet und abhängig von den Vereinigten Staaten. Deutschland wurde zusätzlich durch Reparationsleistungen an die Siegermächte belastet. Das Drucken von Banknoten ohne Deckung ließ die Kaufkraft der Deutschen Mark sinken. Im Sommer 1923 war die Inflation nicht mehr aufzuhalten. Für ein Kilo Brot, das vor dem Krieg 26 Pfennig kostete, musste die Hausfrau 1923 im Mai 482 Mark bezahlen, im August waren es bereits 60 000 Mark, im September 1,5 Millionen, im Oktober 1,7 Milliarden und im November mehr als 200 Milliarden Mark. Nach der Währungsreform, Ende November 1923, wurde eine Billion Papiermark gegen eine Rentenmark getauscht.

Diese beeindruckenden Zahlen sind auch bildlich nachzuvollziehen in dem „Dokument einer irrsinnigen Zeit“ mit aufgeklebten Briefmarken. Es zeigt, dass das Porto für eine Postkarte in der Zeit von 1920 bis 1922 von fünf Pfennig auf 20 Mark gestiegen ist. Und es zeig die Inflation des Jahren 1923: von 40 Mark im Januar auf 20 Milliarden Mark im Dezember.

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Im Uhrenmuseum in Glashütte hängt eine Tafel, die anhand von Löhnen und Preisen, jeweils in Mark, die schwierige Lage des Inflationsjahres 1923 verdeutlicht:

Entwicklung des durchschnittlichen Stundenlohns eines Facharbeiters (linke Tabelle) und des Preises für eine Präzisions-Taschenuhr Kaliber 43 (rechte Tabelle) im Jahr 1923:

Facharbeiter Stundenlohn

Präzisions-Taschenuhr Kaliber 43

01.03.23

560

18.01.23

280.000

01.04.23

1.200

22.05.23

1.800.000

01.07.23

6.600

23.06.23

4.200.000

20.07.23

31.200

12.07.23

7.100.000

13.08.23

170.000

06.08.23

40.000.000

19.09.23

3.060.000

15.08.23

160.000.000

08.10.23

2.424.000

30.08.23

648.000.000

18.10.23

415.140.000

14.09.23

3.100.000.000

25.10.23

1.827.000.000

12.10.23

67.000.000.000

08.11.23

59.100.000.000

18.10.23

350.000.000.000

19.11.23

130.100.000.000

02.11.23

20.000.000.000.000

22.11.23

496.600.000.000

16.11.23

109.000.000.000.000

29.11.23

921.000.000.000

24.11.23

300 (neue Rentenmark)

Die "Goldenen zwanziger Jahre" begannen in Europa 1924. Sie brachten zwar einen nie gekannten Wirtschaftsaufschwung, es war aber "ein Leben auf Pump", ermöglicht durch Milliardeninvestitionen aus USA. Mit dem Börsenkrach an der Wallstreet war dieses kurze wirtschaftliche Zwischenhoch beendet. In Deutschland stieg die Arbeitslosenquote von 6,3 % im Jahr 1928 auf 30 % im Jahr 1930.

Die Situation, wie sie im Sommer 1930 in Deutschland herrschte, wird an einem Beispiel aus Glashütte deutlich. "Die Uhrmacherkunst" schreibt am 8. August 1930:

"Wir berichteten in Nummer 30 davon, dass Schwarzwälder Uhrenarbeiter sich für Russland verpflichtet hätten. Im Zusammenhang mit dieser Nachricht erfahren wir aus Glashütte:
'Trotz der hohen Leistungsfähigkeit der heimischen Industrie (Uhren und Feinmechanik) in bezug auf die Güte der Ware und trotz der vielen Mühewaltungen des Bürgermeisters war es leider bisher nicht möglich, die große Erwerbslosigkeit in der Gemeinde merklich zu lindern. In allernächster Zeit ist nunmehr, wenn nicht von dritter Seite bald Hilfe kommt, damit zu rechnen, dass ein großer Teil hiesiger hochqualifizierter Facharbeiter nach Russland auswandert. Die russische Regierung hat in Moskau zwei Großunternehmen ins Leben gerufen, die in erster Linie der Uhrenindustrie, der Chronometrie und der Optik dienen sollen, um Selbstfabrikate für Eisenbahn, Heer und Flotte zu schaffen. Ein russischer Regierungsvertreter hat hier bereits Verhandlungen mit einzelnen Feinmechanikern und Uhrmachern aufgenommen.' "

Trotz der schwierigen Situation in den 20er Jahren gab es in Teilbereichen eine mehr oder weniger enge Kooperation mit der Sowjetunion.

Grundlage dafür war der Deutsch-Russischer Vertrag von Rapallo vom 16. April 1922. Der „Rapallo-Vertrag“ wurde zwischen der Deutschen Regierung und der Regierung der „Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik“ geschlossen.

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Die „Sowjetunion“ gab es damals noch nicht. Der Zusammenschluss der einzelnen Sowjetrepubliken zur „Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken“ – UdSSR – erfolgte am 30. Dezember 1922.

In der "Deutschen Uhrmacher-Zeitung" vom 1. und vom 9. Januar 1926 sind zwei Beiträge über die Einleitung der Ausfuhr, u.a. von Uhren nach Russland, abgedruckt. Darin wird die wirtschaftliche Entwicklung in Russland durchaus positiv bewertet; das gehe auch daraus hervor, dass eine Gruppe deutscher Großbanken der russischen Staatsbank einen Kredit über 75 Millionen Reichsmark eingeräumt habe. Abschließend heißt es dort, dass die Artikel das Ziel verfolgen, nachdrücklich auf den russischen Markt hinzuweisen und in großen Umrissen die Wege aufzuzeigen, die zu seiner Gewinnung führen.

In der Historischen Rundschau der Deutschen Bank werden die der UdSSR gewährten Kredite und deren Bedeutung für das deutsch-russische Verhältnis präzisiert:

„In der Zeit zwischen den Weltkriegen nahm das Russland-Engagement der Deutschen Bank durchaus eine Sonderstellung ein. Anfang 1925 gründete sie die „Ausfuhrvereinigung Ost GmbH“, in der sich namhafte deutsche Industriefirmen verbanden. ...

Im Oktober 1925 schloss die Deutsche Bank mit der Staatsbank der UdSSR ein Abkommen über einen Handelskredit in Höhe von 100 Millionen Reichsmark ab. Schon im folgenden Jahr wurde ein noch größeres Kreditvorhaben in Angriff genommen: Ein Konsortium, dem 27 Banken angehörten, stellte der Sowjetunion einen Kredit in Höhe von 300 Millionen Reichsmark für die Finanzierung von Warenlieferungen zur Verfügung. So konnte zwischen 1926 und 1941 ein bedeutendes Exportgeschäft abgewickelt werden, dessen Finanzierung insgesamt 12 Bankenkonsortien übernahm – immer unter Führung der Deutschen Bank.

Bis zum Jahre 1941 hatten diese Bankenkonsortien insgesamt 1,07 Milliarden Reichsmark für den Ostexport vorfinanziert und damit das größte Auslandskreditgeschäft jener Zeit möglich gemacht. Es ging bei diesen Ostexporten nicht allein um einseitige Lieferungen von Deutschland in die Sowjetunion. Vielmehr entwickelte sich in dieser Zeit ein reger Warenaustausch, bei dem der Sowjetunion vor allem technisches Gerät von hohem Qualitätsstandard geliefert wurde, während sich Deutschland im Gegenzug mit wichtigen Rohstoffen aus der UdSSR versorgte. Der Überfall auf die Sowjetunion beendete dieses langfristige und bedeutende Engagement schlagartig.“ (Bank und Geschichte, Nr. 3, November 2003, S. 3f)

Auch im militärischen Bereich gab es eine enge Zusammenarbeit zwischen der Weimarer Republik und der Sowjetunion. Mit russischer Hilfe unterlief Deutschland wesentliche militärische Beschränkungen des Versailler Vertrages. „Seit 1925 tauschten Reichswehr und Rote Armee gegenseitig Kommandeure und Generalstäbler zur Teilnahme an Manövern und Lehrvorführungen aus. In aller Verschwiegenheit reisten in der Folgezeit die Marschälle Tuchatschewski, Timoschenko und Merezkow nach Deutschland, speziell nach Wünsdorf/Kummersdorf, und von deutscher Seite die Generalfeldmarschälle Erich von Manstein, Walther von Brauchitsch und Wilhelm Keitel ferner ... Heinz Guderian und Hans Krebs ... nach Sowjetrussland. Meist waren die Papiere auf falsche Namen ausgestellt.“ (Kaiser/Herrmann: Wünsdorf, S.68). Die Artilleriegranaten für die Manöver in Wünsdorf lieferte die UdSSR im Rahmen eines umfangreichen Rüstungsgeschäfts auf Gegenseitigkeit in als landwirtschaftliche Maschinen deklarierten Kisten.

„Ab 1926 waren sowjetische Militärs regelmäßig Hörer an der getarnten deutschen Kriegsakademie in Berlin, ... . An der Schukowski-Militärakademie der Luftstreitkräfte der Sowjetarmee in Moskau lernten im Gegenzug zahlreiche deutsche Piloten im Auftrag der Reichswehr. An dieser Akademie waren Reichswehroffiziere sogar als Lehroffiziere und Lehrstuhlleiter beschäftigt.“ (ibid).

„Der wichtigste Teil der Zusammenarbeit bei den Landstreitkräften erfolgte in der Panzerschule >Kama< bei Kasan an der Wolga. Hier war von deutscher Seite 1926 eine geheime Versuchsstation für zwei Millionen Mark aufgebaut worden, ... . Der bis 1992 >streng geheim< gehaltene Rahmenvertrag zwischen den Tarnfirmen WIKO (auf deutscher Seite) und KA-Moskwa (auf sowjetischer Seite) sah ... auch die Nutzung eines sieben Kilometer von >Kama< entfernt liegenden Übungsplatzes vor, ... . Jährlich wurden hier Dutzende Offiziere an leichten und schweren Panzern ausgebildet. ... Generalmajor Werner von Blomberg inspizierte bereits 1928 die geheime Ausbildungsstätte in Russland und befand sie als zweckmäßig und ausbaufähig.“ (ibid, S. 69) „Die Leitung der Schule und die Gestaltung ihres Ausbildungsprogramms lagen völlig in den Händen der Reichswehr. In >Kama< wurden unter anderen die späteren Panzergenerale bzw. Generalfeldmarschälle der Wehrmacht Walter Hoth, Theo Kretschmer und Walter Model ausgebildet, ... . Zum Lehrprogramm gehörte außerdem das Erlernen der russischen Sprache und die Vermittlung von Kenntnissen der Landeskunde. ... Bis zum letzten Lehrgang 1933 gab es auch ein intensives Zusammenwirken mit russischen Panzereinheiten.“ (ibid, S. 70) Geübt wurde u.a. mit Panzern aus deutscher Produktion, die als Traktoren getarnt auf dem Seeweg über Leningrad nach Kama gebracht worden waren.

Russland

Anders als in der westlichen Welt war die Entwicklung in Russland nach der Oktoberrevolution. Bis 1921 tobte der Bürgerkrieg mit grausamer Härte. Fünf Millionen Menschen sind in dieser Zeit umgekommen. Nach ihrem Sieg festigten Wladimir Iljitsch Uljanow, genannt Lenin, und die "Bolschewiki" ihre Macht mit Gewalt und Terror. Das Privateigentum an Produktionsmitteln wurde in Volkseigentum überführt. Der "Rat der Volksbeauftragten", die Regierung unter Leitung von Lenin, in Moskau und die "Sowjets" überall im Land verwalteten das Volkseigentum.

Bürgerkrieg und Hungersnot

Bereits kurz nach der Revolution, 1917, zeichnete sich ab, dass es in Russland zu einer Hungersnot kommen würde. Die Gründe dafür lagen in zwei aufeinander folgenden Dürrperioden und im Bürgerkrieg. Mehr als 20 Millionen Russen waren vom Hunger bedroht. Anfang 1920 sandte die Sowjetische Regierung weltweit Appelle für Nahrungshilfen, um der Hungersnot zu begegnen.

Friedtjof Nansen

In diese Zeit fällt auch die politische Arbeit von Friedtjof Nansen. Der Polarforscher hatte seit 1905 verschiedene diplomatische Aufgaben wahrgenommen. Seit Ausbruch des Ersten Weltkrieges widmete er seine Aufmerksamkeit den ökonomischen Fragen der Völkerverständigung.

Nansen leitete die Norwegische Delegation des „Völkerbundes“, als diese am 15. November 1920 zum ersten Mal zusammen kam. Im selben Jahr wurde er Hochkommissar des Völkerbundes für Flüchtlingsfragen. In diesem Amt organisierte er die „Nansen-Hilfe“ für Flüchtlinge. Er schaffte es, dass innerhalb von 18 Monaten mehr als eine halbe Million Kriegsgefangene, die meisten in Russland, in ihre Heimat zurückkehren konnten. 1922 wurde daraus der „Nansen-Pass“.

1921 organisierte Nansen auf Ersuchen des Roten Kreuzes eine Hungerhilfe für die Bevölkerung der Sowjetunion. (Die UdSSR wurde 1935 Mitglied des Völkerbundes und 1939 wegen des Angriffs auf Finnland wieder ausgeschlossen.) Der Völkerbund verweigerte Nansen aus politischen Gründen seine Unterstützung, was Nansen als eine bittere persönliche Niederlage empfand. Mit privaten Spendern und einem Kredit Norwegens brachte er die erforderlichen Mittel auf, um Millionen Menschen in Russland mit Nahrungsmittel zu versorgen. Für die Abwicklung der Hilfsaktion eröffnete er in Moskau ein Büro.

1922 erhielt Nansen den Friedens-Nobelpreis für die Rückführung Kriegsgefangener aus Sowjetrussland im Dienste des Völkerbundes und für die Organisation der Hungerhilfe in Sowjetrussland in den ersten Jahren nach dem Weltkrieg.

Die NEP-Periode

Lenin hatte klar erkannt, dass Russland ein kleinbäuerliches Land war, während Nordamerika und Westeuropa hochindustrialisiert waren. Und er wollte der sozialistischen Revolution eine industrielle Revolution folgen lassen, um den Lebensstandard der westlichen Welt einzuholen und zu überholen.

Die Hungersnot war einer der Gründe für die „New Economic Policy“ (NEP) von Lenin. Ein weiterer Grund war die äußerst schwierige soziale und wirtschaftliche Lage Russlands – bedingt durch den Ersten Weltkrieg, die Revolution und den Bürgerkrieg von 1918 bis 1921. Die NEP-Periode begann 1921 mit einer Teil-Liberalisierung in den Sowjetrepubliken und einer Öffnung Russlands für den Außenhandel. Diese Periode führte zu einem langsam beginnenden wirtschaftlichen Aufstieg. Sie reichte bis etwa 1929. International war Sowjet-Russland jedoch weitgehend isoliert.

Lenin starb 1924. Aus dem blutigen Machtkampf um seine Nachfolge ging Josef Wissarinowitsch Dschugaschwili, genannt Stalin, als neuer Alleinherrscher hervor. Er verkündete den "Aufbau des Sozialismus in einem Land" und richtete einen zentralen staatlichen Planungs- und Lenkungsapparat ein. Über eine breite Volksbildung mit Schulpflicht für alle Kinder und freiem Zugang zu den Universitäten wollte er Facharbeiter und Techniker für die Industrialisierung heranbilden. Mit 5-Jahres-Plänen sollte die Wirtschaftsstruktur Russlands ohne jede Hilfe des Auslands vollkommen umgeformt werden.

USA und UdSSR

Die Beziehungen der Vereinigten Staaten von Amerika zur jungen Sowjetunion wurden bestimmt von ideologischen, politischen und wirtschaftlichen Faktoren. Die Ideologien waren unvereinbar, antagonistisch. Die politische Lage war 1917, aus Sicht der USA, gespannt bis feindlich – wegen der unvereinbaren Ideologien und weil die Sowjetische Führung Russland aus dem Ersten Weltkrieg herausgelöst hatte. Wirtschaftlich gab es in den ersten Jahren nach der Revolution keine Beziehungen zwischen den USA und der UdSSR. Das änderte sich erst im Herbst 1920.

Die USA hatten die Sowjetunion völkerrechtlich noch nicht anerkannt. Diplomatische Beziehungen wurden erst 1933 aufgenommen. Aber im August 1920 nahmen die Regierungen in Washington und Moskau Verhandlungen auf über eine informelle Übereinkunft, ein Hungersnot-Hilfsprogramm zu starten. 1921 beauftragte Präsident Warren Harding seinen Handelsminister, Herbert Hoover, die Hilfe zu organisieren. Der Kongress bewilligte 20 Millionen Dollar und Hoover gründete die American Relief Administration (ARA). Die ARA organisierte mit Hunderten von amerikanischen Freiwilligen den Transport, die Lagerung und Verteilung der Hilfsgüter in den Hungergebieten der Sowjetunion. Die Amerikaner gewannen das Vertrauen der örtlichen kommunistischen Führung und hatten weitgehend freie Hand, Tausende von Tonnen Getreide sowie Kleidung und medizinische Güter zu verteilen. 1923, als die Hungersnot beendet war und die Sowjetunion sich wieder selber versorgen konnte, hat die Sowjetische Regierung die ARA und Herbert Hoover offiziell geehrt.

In NEP-Periode, 1921 bis 1929, haben amerikanische Geschäftsleute umfangreiche Wirtschaftskontakte in die UdSSR geknüpft. Begünstigt wurde das durch das gute Image, das die Amerikaner aufgrund ihrer Hungerhilfe in Russland hatten.

Zu den führenden Geschäftsleuten, die in Russland Profit machen wollten, gehörten Averell Harriman, Armand Hammer und Henry Ford, der Traktoren in die Sowjetunion verkaufte.

In dieser Zeit, nämlich 1926, wurde auch die Amerikanisch-Russische Handelskammer, die während des Ersten Weltkrieges, 1916, gegründet worden war, neu organisiert. Die Initiative ging von den Amerikanern aus, weil die amerikanischen Firmen ein Interesse an Handel mit der Sowjetunion hatten. Die Gremien dieser Handelskammer waren von beiden Seiten mit führenden Fachleuten besetzt.

Die Kammer unterhielt ein Büro in New York und eines in Moskau. Sie veröffentlichte ein monatliches Bulletin mit Berichten aus erster Hand über Geschäftsmöglichkeiten in Russland und die wirtschaftliche Lage in der UdSSR.

Im Jahr 1929 veröffentlichte das „Soviet Union Information Bureau, Washington D.C.“, die Amerikanisch-Russischen Handelskammer, das erste Jahrbuch unter dem Titel: „The Soviet Union – Facts, Descriptions, Statistics“ in englischer Sprache. Es enthielt bedeutsame Informationen für staatliche und private Stellen, die an einem Handel zwischen der UdSSR und den USA interessiert waren.

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Diese Wirtschaftsbeziehungen waren der Wegbereiter für die politischen Beziehungen, die 1933 zur diplomatischen Anerkennung der UdSSR durch die USA führten.

Sie zeigten aber auch die Abhängigkeit der Sowjetunion von Importen insbesondere technischer Güter aus dem Westen. Das führte dazu, dass Stalin versuchte, die Sowjetunion selbstständig zu machen. Die Entscheidung des Sowjets für Arbeit und Verteidigung vom 20. Dezember 1927 über die Organisation der Uhrenproduktion in der UdSSR ist ein Beispiel dafür.

Das Ende der NEP-Periode und der erste 5-Jahr-Plan Stalins führten zwangsläufig dazu, dass die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den USA und der UdSSR sich abkühlten und verringerten, denn der kapitalistische Westen wollte Absatzmärkte und nicht eine wirtschaftlich starke und autonome Sowjetunion.